Als der Konstable Rudolf merkte, daß hier für seine Reiter ein Durchkommen unmöglich war, eilte er zu Herrn d'Artois und rief:

„Fürwahr, ich sage Euch, Graf, wir setzen unsere Leute großer Gefahr aus, wenn wir sie in den Bach jagen; nicht ein einziges Pferd will oder kann hinüber. Laßt uns lieber unsere Feinde aus dem Lager locken; glaubt mir, Ihr setzt uns hierbei alle aufs Spiel!“

Aber der Feldherr stand zu sehr im Banne des Ingrimms und der Wut, als daß er auf diesen weisen Rat geachtet hätte; zornig schrie er:

„Konstable, das ist ein Lombarden-Rat! Seid Ihr bange vor diesem Haufen Wölfe oder tragt Ihr ihr Fell?“

Damit wollte er andeuten, daß der Konstable die Vlaemen liebte und vielleicht zu Frankreichs Schaden begünstigen wollte. Durch diesen Verweis tief gekränkt, flammte Rudolf in hellem Zorn auf; er ritt näher zu dem Feldherrn heran und antwortete im höchsten Eifer:

„Ihr zweifelt an meinem Mut? Ihr verhöhnt mich? So frage ich Euch: wagt Ihr es, mir stehenden Fußes, allein in die Scharen des Feindes zu folgen? Ich werde Euch so weit bringen, daß Ihr nimmer wiederkehren sollt!“

Mehrere andere Ritter warfen sich zwischen die streitenden Anführer und erreichten durch Zureden, daß sie sich beruhigten. Übrigens bedeuteten auch sie dem Seneschall, daß ein Übergang über den Bach unmöglich wäre. Er wollte aber davon nichts wissen und befahl Rudolf, von neuem vorzurücken.

Von Zorn fortgerissen stürmte nun der Konstable mit seinen Scharen ungestüm auf das vlaemische Heer los. Aber als sie beim Bach anlangten, stürzten sämtliche Reiter des ersten Gliedes; der eine erdrückte den andern, und mehr als fünfhundert kamen in dieser Verwirrung um. Denn die Vlaemen überschütteten sie mit einer solchen Masse von Steinen, daß ihnen Helm und Harnisch am Leibe zerschmettert wurde. Als Herr d'Artois das sah, war er genötigt, Rudolfs Truppen zurückzurufen. Nur mit größter Mühe konnte man sie wieder in Reih und Glied bringen; denn die furchtbarste Verwirrung herrschte unter ihnen. Inzwischen hatte Johann von Barlas eine Stelle gefunden, wo man den ersten Bach bequemer durchwaten konnte. Dort war er mit zweitausend Armbrustschützen hinübergegangen. Als er so auf die Weide gelangt war, wo die vlaemischen Schleuderer standen, stellte er seine Leute in einen dichtgedrängten Haufen und ließ eine solche Unmenge eiserner Pfeile auf die Feinde werfen, daß die Luft davon verfinstert wurde. Gar viele Vlaemen fielen tot oder verwundet zur Erde, und die französischen Schützen gewannen bedeutenden Raum.

Herr Salomon van Sevecote hatte selbst die Schleuder eines gefallenen Zunftmannes aufgenommen und ermutigte die Seinigen durch sein Beispiel; aber ein eiserner Pfeil durchbohrte den Vorderteil seines Helmes, und tot sank er nieder. Als die Vlaemen ihren Anführer und so viele ihrer Genossen fallen sahen und auch keine Kiesel mehr hatten, wandten sie sich langsam zu ihrem Heer zurück. Nur ein einziger Schleuderer von Veurne blieb mitten auf der Wiese allein stehen, als ob er den Pfeilen der Franzosen trotzen wollte. Bewegungslos stand er da, obgleich die Pfeile über sein Haupt hinweg und rings um ihn her flogen. Langsam legte er schließlich einen schweren Kiesel in seine Schleuder und faßte das Opfer, welches er treffen wollte, genau ins Auge. Nachdem er die Schleuder einige Male kräftig geschwungen hatte, ließ er das eine Ende los, und der Kiesel flog heulend durch die Luft. Ein schmerzlicher Schrei entfuhr der Brust Johann von Barlas', und leblos stürzte er mit zerschmettertem Haupte zur Erde.

So fielen die Anführer der beiden streitenden Scharen bei demselben Angriff.