Sämtliche Rotten bückten sich zugleich und aßen wie er ein wenig vom vaterländischen Boden. Dadurch erfüllte sie stille Wut und finstere Rachsucht, ihre Augen schossen giftige Blicke. Ein dumpfes Dröhnen, gleich dem Getöse eines Orkans im Schoß unterirdischer Höhlen, durchbrauste das begeisterte Heer; aus dem furchtbaren Lärm waren nur die Worte zu verstehen:

„Wir wollen und werden sterben!“

Dann wurde in aller Eile die Schlachtordnung wieder hergestellt, so wie sie zuvor gewesen war.

Inzwischen war Robert d'Artois mit einigen französischen Anführern ziemlich nahe an das vlaemische Heer herangeritten, um zu sehen, welche Stellung es eingenommen hatte. Nun ließ er seine Bogenschützen gegen die Schleuderer Gwijdes vorwerfen, und man sah, wie sich die Vorposten der Heere von Zeit zu Zeit einige Steine oder Pfeile zusandten, während Robert seine Reiterei nach vorn schob. Als er sah, daß sich Gwijde mit seinem Volk in einer Reihe aufgestellt hatte, teilte er sein Heer in drei Gruppen. Die erste unter Rudolf von Nesle war zehntausend Mann stark. Die zweite behielt er unter seinem eigenen Befehle und stellte sie aus den besten Kriegern, fünfzehntausend auserlesenen Reitern zusammen. Die dritte, die den Nachtrab bilden mußte und zum Schutze des Lagers bestimmt war, ließ er unter dem Befehl von Gui de St.-Pol.

Just als er sich anschickte, mit dieser furchtbaren Macht gegen das vlaemische Heer anzustürmen, kam Johann von Barlas, der Anführer der fremden Truppen, zu ihm und redete ihn folgendermaßen an:

„Um Gotteswillen, Herr d'Artois, laßt mich mit meinen Leuten in den Kampf gehen; setzt doch nicht die Blüte der französischen Ritter der Gefahr aus, von der Hand dieser zusammengelaufenen Vlaemen zu sterben. Das sind wütende Kerle, die Verzweiflung hat sie wahnsinnig gemacht. Ich kenne ihre Gewohnheit; sie haben ihre Vorräte in der Stadt gelassen. Bleibt Ihr hier in Schlachtordnung stehen. Ich werde sie mit meiner leichten Reiterei von Kortrijk abschneiden und durch kleine Angriffe beschäftigen. Die Vlaemen essen viel und den ganzen Tag, deshalb haben sie viele Lebensmittel. Nehmen wir ihnen die ab, so werden sie bald aus Hunger abziehen müssen. Dann könnt Ihr sie an einer günstigeren Stelle angreifen und so die ganze Brut vertilgen, ohne Ströme edlen Blutes zu vergießen.“

Der Konstable von Nesle und mehrere andere Herren hießen diesen Rat gut; aber Robert war blind vor Wut. Er wollte nichts davon hören und gebot Johann von Barlas zu schweigen.

Mit all diesen Vorbereitungen war die Zeit dahingegangen. Es war bereits sieben Uhr morgens; die französische Reiterei befand sich nun etwa zwei Schleuderwürfe vom Feinde. Zwischen den Schützen der Franzosen und den Schleuderern der Vlaemen lag der Mosscherbach, so daß sie einander nicht näherkommen konnten und von beiden Seiten nur wenig Leute tot blieben. Der Seneschall von Artois gab Rudolf von Nesle, dem Anführer der ersten Schar, den Befehl zum Angriff.

Das erste Glied der Reiter stürmte in ungestümer Hitze vorwärts und sprengte bis zum Mosscherbach. Hier aber sanken sie bis an die Sättel in den Schlamm. Einer ritt den andern über den Haufen; die vordersten fielen von ihren Pferden und wurden von den Vlaemen tödlich getroffen oder erstickten im Schlamm. Wer herauskommen konnte, kehrte in größter Eile zurück und wagte nicht mehr, sich noch ferner unbesonnen in Gefahr zu stürzen. Inzwischen stand das vlaemische Heer regungslos hinter dem zweiten Bach und sah den Hergang in tiefem Schweigen mit an.