Die Stimmen der Anführer übertönten bisweilen diesen kriegerischen Lärm, während dann und wann aus einer Abteilung der Waffenruf: „Noël, Noël! Frankreich, Frankreich!“ erscholl und alles Getöse beherrschte. Die französischen Reiter waren ungeduldig. Sie spornten hie und da ihre Schlachtrosse, um sie aufzumuntern; dann wieder streichelten sie sie und sprachen ihnen zu, damit sie die Stimme ihres Herrn im Kampfe besser erkennen sollten. Wer wird die Ehre haben, den ersten Stoß zu tun? Dieser Gedanke beherrschte alle und war die Ursache der Ungeduld. Jene Ehre wurde unter den Rittern gar hoch gehalten. Wenn sie einem in einer bedeutenden Schlacht zuteil wurde, so rühmte er sich ihrer das ganze Leben hindurch als eines Beweises unzweifelhafter Tapferkeit. Deshalb hielten sie alle ihre Pferde bereit und den Speer gefällt, um auf das geringste Zeichen ihres Feldherrn vorwärts zu stürmen.

Auf den Weiden, die sich neben dem Heere erstreckten, bewegten die französischen Fußknechte sich in wogenden Scharen und zogen langsam, wie ein furchtbares Ungetüm, in schlängelnden Windungen durch das Feld. Sie befleißigten sich der größten Stille.

Als Gwijde merkte, daß sich der Angriff vorbereitete, sandte er tausend Schleuderer unter dem Befehl Salomons, Herrn van Sevecote, gegen den zweiten Bach vor, um den französischen Vortrab anzugreifen.

Dann ließ er seine verschiedenen Truppen eine Stellung einnehmen, so daß sie ein Viereck bildeten und in das Innere des Lagers blicken konnten. Dort war mit Rasen ein Altar errichtet; die große Standarte St. Georgs, des Schutzherrn der Krieger, entfaltete den Ritter mit dem Drachen über dem Haupte des Priesters, der in vollständigem Ornate auf den Stufen des Altars Gebete für den guten Ausgang des Kampfes zum Himmel sandte. Als er geendet hatte, stieg er auf die oberste Stufe des Altars, wandte sich zum Volke um und erhob seine Hände über das Heer.

Plötzlich und aus eigenem Antrieb sanken alle Scharen zu Boden und empfingen in Totenstille den letzten Segen. Dieser feierliche Augenblick packte sie gewaltig; ein erhebendes Gefühl entflammte ihre Herzen zu edler Selbstverleugnung, und ihnen war, als ob Gottes Stimme sie zum Märtyrertod berufe. Von heiligem Feuer erfüllt, vergaßen sie alles, was ihnen auf Erden teuer war, und gedachten mit Begeisterung der Heldentaten ihrer Väter. Da weitete sich ihre Brust, das Blut strömte ungestüm durch ihre Adern, und sie sehnten sich nach dem Kampfe wie nach der Befreiung.

Als der Priester seine Hände sinken ließ, richteten sie sich schweigend auf. Jetzt sprang der junge Gwijde vom Pferde, trat mitten unter sie und rief:

„Männer von Flandern! Gedenket der ruhmreichen Taten eurer Väter; sie zählten ihre Feinde nicht. Ihr unerschrockener Mut erkämpfte die Freiheit, die uns die fremden Tyrannen jetzt rauben wollen. Auch ihr sollt heute euer Blut für dieses heilige Pfand dahingeben, und wenn wir sterben müssen, so wollen wir es tun als ein freies, mannhaftes Volk, als ungebändigte Söhne des Löwen. Denkt an Gott, dessen Tempel sie verbrannt haben, an eure Kinder, die sie ermorden werden, an eure geängstigten Frauen, an alles, was ihr liebt: dann werden sich unsre Feinde, auch wenn wir unterliegen müssen, dieses Sieges nicht rühmen, denn alsdann werden mehr Franzosen als Vlaemen gefallen sein. Habet zumal auf die Reiter acht und stoßt eure Goedendags den Pferden zwischen die Beine. Verlaßt eure Rotten nicht: wer einen erschlagenen Feind plündert, oder wer aus dem Kampfe laufen will, den sollt ihr selbst erschlagen, das befehle ich euch. Findet sich ein Feigling unter euch, so sterbe er durch eure Hand; sein Blut komme über mich allein.“

Voll hoher Begeisterung beugte er sich nieder und nahm ein wenig Erde vom Boden in den Mund. Dann erhob er seine Stimme noch lauter und rief:

„Bei dieser teuren Erde, welche ich in mir tragen will; heute will ich sterben oder siegen!“