Der goldene Ritter kämpfte am linken Flügel wie ein wahrer Löwe gegen eine ganze Reiterschar. An seiner Seite fochten mit gleichem Mute der junge Gwijde und Adolf van Nieuwland; letzterer warf sich beständig mitten unter die Feinde und brachte sich oftmals in Lebensgefahr. Es war, als ob er beschlossen hätte, unter den Augen des goldenen Ritters zu sterben. Der Vater Machtelds sieht mich! dachte er, und dann fühlte er, wie seine Brust sich weitete; seine Muskeln spannten sich, und seine Seele war von Todesverachtung erfüllt. Der goldene Ritter rief ihm manchmal zu, er solle sich nicht so sehr der Gefahr aussetzen; aber diese Worte klangen in Adolfs Ohr wie ein Lob: sie hatten nur die entgegengesetzte Wirkung! Bei jedem Zuruf des goldenen Ritters sprengte das Roß des tapferen jungen Mannes vorwärts und drang immer tiefer in die Reihen der Franzosen. Es war ein Glück für den Jüngling, daß ein stärkerer Arm als der seinige sein Leben bewachte, daß jemand neben ihm war, der in väterlicher Liebe geschworen hatte, ihn zu beschützen.
Im ganzen Heere der Franzosen war nur mehr eine Fahne zu sehen: noch entfaltete das große Kronbanner seine schillernden Wappenzeichen, seine silbernen Lilien und all die glänzenden Perlen, woraus das Wappen Frankreichs zusammengesetzt war. Gwijde wies mit der Hand nach dem Ort, da der Fahnenträger stand, und rief dem goldenen Ritter zu:
„Dort ist es, das müssen wir haben!“
Sie versuchten zunächst, ein jeder von seiner Seite, durch die französischen Scharen zu dringen, doch das glückte ihnen anfangs nicht, mochten sie auch noch so unermüdlich die Feinde auseinandertreiben. Adolf van Nieuwland hatte endlich eine günstigere Stelle gefunden, drang allein durch und kam nach langem Kampf bis zum großen Banner.
Welch unseliger Eifer trieb den Jüngling so dem Tode entgegen! Wenn er gewußt hätte, wieviel bittere Tränen in diesem Augenblick seinetwegen vergossen wurden, wie oft sein Name aus dem Mund einer Jungfrau mit Gebeten zum Himmel gesandt wurde, dann würde er sich nicht so tollkühn dem Tode preisgegeben haben; vielleicht wäre er zurückgeblieben.
Das Kronbanner war von einer großen Reiterschar umringt. Sie hatten bei ihrer Ehre und Treue geschworen, lieber unter diesem letzten Zeichen zu sterben, ehe sie es rauben ließen. Was vermochte Adolf wider so viele mutige Krieger? Sobald sie seiner ansichtig wurden, begrüßten sie ihn mit höhnenden Worten: alle Schwerter wurden gleichzeitig über seinem Haupte geschwungen, und er sah sich rings umschlossen. Schläge hagelten unaufhörlich auf seine Rüstung nieder, und trotz seiner bewunderungswürdigen Gewandtheit konnte er sich nicht mehr verteidigen. Das Blut lief bereits unter seinem Helm hervor, es wurde dunkel vor seinen Augen; seine Muskeln waren unter so vielen Schlägen erlahmt. Voll Verzweiflung, in dem sicheren Vorgefühl, daß seine letzte Stunde gekommen sei, rief er mit so lauter Stimme, daß es die Franzosen hörten:
„Machteld! Machteld! Lebe wohl!“
Mit diesem Rufe sprengte er quer durch die Schwerter der Feinde zu dem Banner hin und riß es dem Fahnenträger aus der Faust. Aber zehn Hände nahmen es ihm wieder ab. Hiebe prasselten auf ihn nieder, und kraftlos fiel er auf den Rücken seines Rosses.
Durch die Bewegung, die in diesem Augenblick unter die Streitenden kam, wurde der goldene Ritter auf die Gefahr Adolfs aufmerksam. Er dachte an den Schmerz, den seine unglückliche Machteld erleben würde, wenn Adolf von Feindeshand stürbe, wandte sich zu seinen Leuten und rief mit einer Stimme, die wie Donner das Schlachtgetümmel beherrschte: