Inzwischen stürzten die Franzosen einer über den anderen nieder; die vlaemischen Scharen drangen unwiderstehlich auf die Fliehenden ein und erschlugen die gefallenen Ritter mit Keulen und Streitäxten. Tausende von Pferden lagen halb versunken in dem sumpfigen Boden; unzählige Leichen der Feinde bedeckten den Kampfplatz. Der Groeninger Bach war nicht mehr zu sehen: die Leichen, mit denen er angefüllt war, bildeten eine Masse mit denen, die an seinen Ufern lagen; vielleicht hätte man seinen Lauf an dem Blutstrom erkannt, aber das Blut stand überall in großen Lachen. Das Wimmern der Sterbenden, die Klagen der Erstickenden, das Jauchzen der siegesfrohen Vlaemen vermischte sich zu einem grausigen Lärm; dazu kam das Schmettern der Trompeten, das Klirren der Schwerter auf den Harnischen, das schmerzliche Wiehern der verwundeten Pferde! Einzig ein berstender Vulkan, der unter rollendem Donner das Innere der Erde zerreißt, kann ein Bild solcher Schrecken geben. Es war, als wenn der Jüngste Tag hereingebrochen wäre.
Es schlug neun Uhr auf dem Turm zu Kortrijk, als Nesles und Châtillons weichende Reiterei zu den Scharen Roberts d'Artois flüchteten. Als er die Niederlage der Seinen vernahm, entbrannte Robert in wilder Wut. Er wollte sich mit den zahlreichen Abteilungen, die seinem Befehl unterstanden, auf das vlaemische Heer werfen. Die anderen Ritter suchten ihn von diesem unvorsichtigen Vorhaben abzubringen und machten ihm klar, daß sich kein Pferd auf dem Kampfplatz bewegen könne; aber er wollte auf niemand hören und sprengte, von all seinen Leuten gefolgt, mitten durch die Flüchtlinge dahin. Die Reiter, die der ersten Niederlage entkommen waren, wurden von dem Seneschall und seinen neuen Truppen niedergeritten und entflohen alsbald in größter Unordnung nach allen Seiten hin vom Schlachtfeld, um dieser schrecklichen Verwirrung zu entrinnen. Aber das war nicht möglich; die ersten Scharen wurden von den letzten vorwärts gedrängt, und so warf sich die Masse frischer Truppen mit größtem Wagemut auf die vlaemische Schlachtordnung.
Beim ersten Stoß sah sich Gwijdes Heer genötigt, hinter den Groeninger Bach zurückzuweichen. Hier aber dienten die gefallenen Pferde als Brustwehr: es war, als ob sie sich hinter eine Verschanzung zurückgezogen hätten. Die französischen Reiter konnten sich in dem sumpfigen Boden nicht aufrecht erhalten; einer fiel über den andern, und im Fallen töteten sie sich gegenseitig. Als Robert d'Artois das sah, wurde er wie wahnsinnig; er setzte mit einigen furchtlosen Rittern über den Bach und drang auf Gwijdes Scharen ein. Nach kurzem Gefecht, in dem eine Menge Vlaemen fielen, ergriff Robert d'Artois einen Zipfel der großen Standarte von Flandern und riß ein Stück mit der vordersten Klaue des Löwen davon ab.
Ein rasendes Geschrei erhob sich aus den vlaemischen Scharen, die zunächst standen. Alles rief:
„Schlagt ihn tot! schlagt ihn tot!“
Der Seneschall versuchte, die Standarte den Händen des Segher Lonke zu entreißen. Aber Bruder Wilhelm warf sein Schwert fort, sprang am Pferde Roberts d'Artois hinauf und schlang seine beiden Arme um den Hals des Feldherrn. Dann stemmte er seinen Fuß gegen den Sattel und riß mit solcher Gewalt an Roberts Haupte, daß dieser das Gleichgewicht verlor und beide zur Erde fielen. Inzwischen waren die Fleischer herbeigeeilt. Jan Breydel wollte die Schmach rächen, die der Standarte Flanderns widerfahren war, und hieb Robert den Arm mit einem Schlag ab.
Als der unglückliche Seneschall inne ward, daß er dem Tode verfallen war, fragte er, ob kein Edelmann da sei, dem er seine Waffen übergeben könne. Die Fleischer aber brüllten, daß sie diese Sprache nicht verständen, und hieben so lange auf ihn ein, bis er seinen Geist aufgab.
Derweile hatte Bruder Wilhelm den Kanzler Pierre Flotte ebenfalls zu Boden geworfen und erhob sein Schwert, um ihm das Haupt zu spalten; der Franzose flehte um Gnade. Bruder Wilhelm lachte höhnisch auf und hieb ihm in den Nacken, also daß er leblos zu Boden sank. Die französischen Herren von Tarcanville und von Aspremont wurden von dem Hammer des goldenen Ritters niedergeschmettert: Gwijde spaltete Renold von Longueval mit einem Schlage das Haupt, und Adolf van Nieuwland warf Raoul von Nortfort aus dem Sattel. In wenigen Augenblicken fielen mehr als hundert Edelleute.
Herr Rudolf von Gaucourt hatte sich mit den beiden Königen Balthasar und Sigis und noch siebzehn auserlesenen Rittern lange Zeit gegen die Genter Jan Borluuts verteidigt. Die beiden Könige waren mit vielen andern Rittern bereits erschlagen, auch sein Pferd war schon gefallen. Aber Rudolf stand noch mit wundersamer Kühnheit inmitten seiner Feinde. Er wehrte sich mit der größten Gewandtheit gegen die Genter und hielt sie mit furchtbaren Schlägen von sich fern. Als er eines Trupps von fast vierzig französischen Reitern ansichtig wurde, sprang er mitten in ihre Reihen. Doch Jan Borluut setzte ihm mit einer großen Anzahl Genter nach. Die vierzig Ritter waren bald erschlagen, und noch immer verteidigte sich Rudolf von Gaucourt mit gleichem Mute. Von Wunden und Anstrengung ermattet, sank er schließlich auf die Leichen seiner Waffenbrüder nieder, und die Genter liefen herzu, um ihn zu töten; aber Jan Borluut wollte den tapferen Franzosen nicht sterben lassen. Er ließ ihn hinter die Schlachtlinie tragen und nahm ihn unter seinen Schutz.
Obgleich die Franzosen in den vordersten Gliedern während dieses Gefechts unterlegen waren, rückte die vlaemische Schlachtordnung doch nur wenig vor. Denn immer neue Feinde eilten herbei, um die Gefallenen zu ersetzen.