Jetzt kehrte der Mut in ihre Herzen zurück. Unter Freudengeschrei stürzten sie vorwärts und strebten, den Wundertaten des Ritters gleich zu tun. Die Franzosen konnten diesem unerschrockenen Löwen nicht länger widerstehen. Die vordersten machten kehrt und wollten fliehen, aber sie stürzten auf die Pferde ihrer Genossen, und einer warf den anderen zu Boden.

Ein allgemeines Gemetzel begann jetzt, soweit nur das Heer reichte. Die Vlaemen schlugen alles nieder und sprangen über große Haufen Leichen, um die entfernteren Feinde anzugreifen. Jetzt wurde nicht mehr „Noël!“ geschrien, der Ruf: „Vlaenderen den Leeuw!“ beherrschte jeden anderen Laut und betäubte die Kämpfer so, daß sie die Schläge ihrer eigenen Waffen nicht mehr hören konnten.

Bruder Wilhelm, der Mönch, war von seinem Pferde gesprungen und kämpfte zu Fuß; alles, was in seinen Bereich kam, wurde von tödlichen Streichen getroffen. Er schwang sein Schwert, als wäre es eine Feder, und verlachte spottend die Feinde, die ihn angreifen wollten. Man hätte denken können, daß er sich an einem Spiel erlustige: er war so fröhlich und scherzte so ausgelassen, als ob er mit Kindern zu kämpfen hätte. Trotz seiner Gewandtheit fiel doch mancher Schwerthieb auf seinen verrosteten Harnisch. Ein anderer wäre recht wohl unter jedem dieser Schläge gefallen; aber Bruder Wilhelm blieb unerschütterlich. Jeder, der das Unglück hatte, ihm zu begegnen, sank im gleichen Augenblick vor seinem Riesenschwert dahin.

Plötzlich sah er etwas weiter Ludwig von Clermont mit seinem Banner stehen.

„Vlaenderen den Leeuw!“ rief Bruder Wilhelm. „Die Standarte ist mein!“

Als sei er tödlich getroffen, ließ er sich zu Boden sinken, kroch auf Händen und Füßen unter den Pferden dahin und stand plötzlich neben Ludwig von Clermont wieder auf. Von allen Seiten prasselten die Hiebe auf ihn nieder, doch wußte er sich so gut zu verteidigen, daß er nur einige arge Quetschungen davontrug. Daß er es auf die Standarte abgesehen hatte, ließ er sich nicht merken; ja, er kehrte ihr sogar den Rücken zu. Aber plötzlich wandte er sich um, hieb dem Fahnenträger jählings den Arm ab und zerriß das gefallene Banner in Stücke. Sicherlich hätte der Mönch hier seinen Tod gefunden; aber inzwischen waren die Seinigen schon bis zu ihm vorgedrungen, und die Franzosen wurden in größter Unordnung zurückgetrieben.

Der goldene Ritter hatte die Feinde, die den jungen Gwijde umringten, in wenigen Augenblicken zerstreut und drang immer weiter vorwärts. Mit seinem Hammer zerschmetterte er Helme und Schädel, und niemanden fand er, der ihm Widerstand leisten konnte. Jeder, der, von seinen Schlägen betäubt, zu Boden fiel, wurde unter den Hufen der Rosse zertreten. Gwijde nahte sich ihm und sagte rasch:

„O Robrecht, mein Bruder, wie danke ich Gott, daß Ihr angekommen seid! Ihr habt das Vaterland gerettet!“

Der goldene Ritter antwortete nicht. Nur legte er den Finger auf den Mund, als wollte er sagen: Still! still!

Adolf hatte dies Zeichen ebenfalls gesehen und beschloß, sich so zu verhalten, als ob er den Grafen von Flandern nicht kenne.