Auf dem Schlachtfeld war der Kampf noch nicht beendet. Ein Haufe von etwa tausend Reitern verteidigte sich noch; sie kämpften wie die Löwen, trotzdem sie bereits über und über mit Wunden bedeckt waren. Darunter befanden sich mehr als hundert edle Ritter, die diese Niederlage nicht überleben wollten und mit rasender Wut auf die Vlaemen einhieben. Allmählich wurden sie unter die Wälle der Stadt, in die Bittermeersch[37], getrieben. Hier stürzten die Pferde in den Ronduitebach oder versanken an den Ufern. Die Ritter konnten sich nicht mehr auf ihren Pferden halten; deshalb sprang einer nach dem anderen aus dem Sattel, sie scharten sich wieder zu einem Kreise, kämpften weiter zu Fuß und schlugen noch gar manchen Vlaemen tot. Die Bittermeersch war zu einem Blutsee geworden; die Kämpfenden standen bis über die Knöchel im Blute. Köpfe, Arme, Beine, alles lag hier mit zerbrochenen Helmen und Schwertern durcheinander.

Einige Leliaerts, darunter Jan van Gistel und eine Anzahl Brabanter, sahen, daß an Entkommen nicht mehr zu denken war. Deshalb liefen sie mitten unter die Vlaemen und riefen: „Vlaenderen den Leeuw! Heil, Heil Flandern!“ Sie glaubten sich hierdurch zu retten; aber gleich kam ein Weber auf Jan van Gistel zugelaufen und versetzte ihm einen so furchtbaren Schlag auf den Kopf, daß sein Schädel zerschmettert wurde. Der Weber murmelte mit unterdrückter Stimme:

„Mein Vater hat Euch gesagt, daß Ihr nicht auf dem Bette sterben würdet, Ihr Verräter!“

Die anderen wurden an ihren Wappen erkannt und als Verräter niedergemacht und durchbohrt.

Der junge Gwijde empfand Mitleid mit den noch verbliebenen Rittern, die sich so mutig verteidigten, und rief ihnen zu, sie sollten sich gefangen geben, damit ihr Leben erhalten bliebe. Da sie einsahen, daß Mut und Tapferkeit ihnen nichts mehr helfen konnten, ergaben sich die Ritter und wurden entwaffnet. Sie wurden Jan Borluuts Obhut anvertraut.

Der vornehmste dieser edlen Kriegsgefangenen (im ganzen waren es etwa sechzig) war Thibaut II., nachmals Herzog von Lothringen; auch die übrigen waren von hoher Geburt und als tapfere Ritter berühmt.

Jetzt blieb kein einziger Feind mehr auf dem Schlachtfeld; aber nach allen Richtungen sah man sie entfliehen. Die Vlaemen waren ganz verwundert, daß sie nichts mehr zu bekämpfen hatten, und glühten noch von Kampfbegier. So liefen sie scharenweise durch die Felder, um die Fliehenden zu verfolgen; beim St. Magdalenen-Hospital holten sie eine Abteilung von Saint-Pols Leuten ein und erschlugen sie alle; etwas weiter fanden sie Willem van Mosschere, den Leliaert, der sich mit einigen anderen aus dem Gefecht entfernt hatte. Als er sich umringt sah, bat er um Gnade und gelobte, Robrecht van Bethune als ein treuer Untertan zu dienen. Aber sie hörten ihn nicht an, und die Beile der Fleischer raubten ihm Sprache und Leben.

So ging es den ganzen Tag fort, bis nicht ein einziger Franzose oder französisch Gesinnter mehr zu finden war.

[XXIV.]