Obgleich eine starke Abteilung der vlaemischen Truppen den Feind scharenweise in den Feldern verfolgte, blieben doch noch einige geordnete Truppenteile auf dem Schlachtfeld zurück. Jan Borluut hatte seine Leute haltmachen lassen, um dem Kriegsbrauch gemäß das Schlachtfeld bis zum anderen Tage zu behaupten; nur wenige hatten in heftiger Leidenschaft auf diesen Befehl nicht geachtet; die Abteilung, die er bei sich hatte, bestand noch aus dreitausend Gentern; dazu kamen Leute von allen Waffengattungen, die von Anstrengung oder Wunden ermattet waren, den Feind nicht verfolgen konnten und deshalb auf dem Schlachtfeld geblieben waren. Jetzt, da der Kampf gewonnen und die Fesseln des Vaterlands gebrochen waren, jauchzten die Vlaemen mit inniger Freude:
„Vlaenderen den Leeuw! Sieg! Sieg!“
Alsbald antworteten die Yperner und Kortrijker von den Wällen der Stadt mit noch lauterem Jubel. Auch sie konnten wohl Sieg rufen; denn während die beiden Heere einander auf dem Groeninger Kouter bekämpften, war der Kastellan van Lens mit hundert seiner Leute von dem Kastell in die Stadt gedrungen und hätte sie vielleicht ganz niedergebrannt. Aber die Yperner hieben so unverzagt auf seine Schar ein, daß die Franzosen nach langem Kampf in Unordnung in das Kastell zurückflohen. Als van Lens seine Leute zählte, fand er, daß nur der zehnte Teil der Wut der Feinde entgangen war.
Die meisten Anführer und Edeln hatten sich in das Lager begeben und um den goldenen Ritter versammelt; sie drückten ihm alle ihre Dankbarkeit aus, er aber antwortete nicht, aus Furcht, sich zu verraten. Gwijde, der bei ihm stand, wandte sich zu den Rittern und sprach:
„Meine Herren, der Ritter, der uns alle und Flandern so wunderbar errettet hat, ist ein Kreuzfahrer, der unbekannt zu bleiben wünscht: der edelste Sohn Flanderns trägt seinen Namen.“
Die Ritter sagten nichts, aber jeder bemühte sich, zu erraten, wer das wohl sein mochte, der so edel, so tapfer und so stark war. Diejenigen, die bei der Zusammenkunft in dem Gehölz bei Dale gewesen waren, wußten schon längst, wer es war, aber sie wagten nicht, ihre Überzeugung zu verkünden, da sie feierlich gelobt hatten, das Geheimnis zu wahren. Unter den anderen waren viele, die gar nicht daran zweifelten, daß es der Graf von Flandern selbst sein müsse; allein sie schwiegen, weil Gwijde den Wunsch des goldenen Ritters ausgesprochen hatte.
Robrecht hatte schon einige Zeit leise mit Gwijde gesprochen; da ließ er sein Auge über die anwesenden Scharen schweifen und sagte endlich:
„Ich sehe Adolf van Nieuwland nicht; sollte mein junger Freund unter dem Schwerte der Feinde gefallen sein? O, das würde mich ewig schmerzen. Und wie würde meine arme Machteld heiß um ihren guten Bruder weinen!“
„Gefallen wird er nicht sein, Robrecht; mich dünkt, ich hätte soeben noch seine grüne Feder zwischen den Bäumen des Neerlander Busches gesehen. Gewiß jagt er nun den übrigen Feinden nach; Ihr habt gesehen, mit welch unbändiger Wut er sich stets mitten unter die Franzosen wagte. Fürchtet nichts, Gott hat ihn sicherlich nicht sterben lassen.“