Denn es sind ja deutsche Kämpfe, deutsche Helden, von denen seine Werke handeln, so wie der Geist und die Art, die aus dem „Löwen von Flandern“ zu uns spricht, deutsch ist, trotz mancher Züge, die uns etwas zu kraß anmuten. Aber man muß das Wesen eines Grenzstammes anders werten als das der Kernbevölkerung, die den Grenzkämpfen zumeist entrückt bleibt. Die Erbitterung immerwährenden Ringens verleiht dem Volkscharakter eine trotzige Härte, die zur Roheit ausarten kann und unverständlich bleibt, wenn man sie nicht aus der geschichtlichen Stellung des betreffenden Volkes heraus wertet. Um so mehr aber kann man stolz sein auf die glühende Vaterlandsliebe, auf die rückhaltlose Aufopferungsfähigkeit, die zähe Treue und die heldenhafte Kraft, die aus all diesen Kämpfen hervorleuchten und eines Deutschen würdig sind. Mit Schmerzen denkt man daran, daß es unlängst eine Zeit gegeben hat, da sich durch welschen Einfluß und lügenhafte Verhetzung auch Angehörige dieses deutschen Stammes gegen ihre deutschen Brüder wandten und mit allen Vorzügen und Fehlern ihres Wesens auf der Seite ihrer Unterdrücker für eine Freiheit fochten, die von Deutschland niemals bedroht war. Es ist wohl eine Fügung des Schicksals, daß der gewaltige Krieg der Gegenwart auch in Belgien eine Entscheidung zugunsten des Germanentums herbeiführte in dem Augenblick, da der Vordrang des Franzosentums in diesem Lande übermächtig geworden war und schon sicher auf seinen Sieg vertraute. Nun können Vlaemen und Deutsche gemeinsam jener heldenhaften Zeiten gedenken, die der „Löwe von Flandern“ zurückzaubert, die Zeiten jenes Ringens, dessen Höhepunkt die goldene Sporenschlacht bildete, die Zeiten, da schlichte Männer aus dem Volke wider den hochmütigen französischen Adel stritten und durch ihre glühende Vaterlandsliebe die Eroberungslust ihrer westlichen Nachbarn zunichte machten. Auch wenn einst das große Weltenringen zu Ende sein wird und die dadurch erweckte seelische Erhebung nachgelassen hat, wird Consciences „Löwe von Flandern“ eines der Werke bleiben, das immer wieder mit flammenden Worten zu Felde zieht gegen materialistische Überschätzung irdischen Wohllebens und kaufmännischer Erfolge und für die idealen Aufgaben und Ziele der Deutschen eintritt.
[1] Eine kleine Stadt in Westflandern.
[2] Karl, der zweite Sohn Philipps des Kühnen, war Graf von Valois, von Alençon und von Perche. Er empfing von seinem Bruder Philipp dem Schönen, König von Frankreich, den Oberbefehl über die französische Armee und eroberte Flandern.
[3] Breydel war Hauptanführer der Schlächter in Brügge.
[4] Fallgatter.
[5] Schloß Wijnendaal ist nun verfallen. Es liegt in der Nähe eines Dorfes gleichen Namens bei Thourout in Westflandern.
[6] Guy van Dampyere, der Sohn des alten Wilhelm van Dampyere, war der vierundzwanzigste Graf von Flandern. (Dits die excellente Cronike van Vlaenderen.)
[7] „Robrecht van Nyvers (auch van Bethune) hat der heiligen Kirche große Dienste erwiesen; so hat er in Apoelghen Meinfoort, den stolzen Feind der heiligen Kirche, erschlagen.“ (Die excellente Cronike). Die Tatsache, auf die dieser Satz anspielt, ist folgende:
Karl von Anjou, König von Sizilien, wollte gegen Manfred, der dieses Königreich gegen den Willen des Papstes besaß, in den Krieg ziehen. Er bildete ein französisches Heer aus etwa 20 000 auserlesenen Kriegern und übergab den Oberbefehl an Robrecht van Bethune, der damals achtzehn Jahre alt war. Bald darauf nahm Karl von Anjou den jungen Konradin, den Enkel des deutschen Kaisers Friedrich, gefangen. Karl, der sich von einem so hochgestellten Feind befreien wollte, beschloß, ihn zum Tode verurteilen zu lassen. Sismonde von Sismondi (Histoire des républiques italiennes) sagt darüber: „Ein einziger Richter sprach das Todesurteil, und der junge Konradin wurde auf das Schafott gebracht, um enthauptet zu werden. Der Richter, der Konradin zum Tode verurteilt hatte, las das Urteil gegen ihn vor, das ihn als Verräter der Krone und Feind der Kirche bezeichnete. Er war gerade damit zu Ende und sprach das Todesurteil aus, als Robrecht von Flandern, der eigene Schwager von Karl von Anjou, auf den falschen Richter zustürzte, ihm seinen Degen in die Brust stieß und rief: „Es steht Euch nicht zu, Elender, einen so edlen und schönen Herrn zum Tode zu verurteilen.“ Der Richter starb in Gegenwart des Königs, und dieser durfte seinen Günstling nicht rächen.“ – Noch andere Taten beweisen, daß Robrecht von einem wunderbaren Mut beseelt war, so daß man von ihm sagen konnte: ein Löwenherz schlägt in seiner eisernen Brust.