Der alte Graf richtete sich auf und sagte: „Mein Fürst und Gebieter, im Vertrauen auf Eure königliche Gerechtigkeit bin ich Eurer Majestät zu Füßen gefallen und vertraue mein Schicksal Eurer Großmut an.“

„Ihr unterwerft Euch recht spät!“ erwiderte der König. „Ihr habt mit Eduard von England gegen uns ein Bündnis geschlossen. Ihr habt Euch als ungetreuer Vasall gegen Euern Herrn erhoben und seid hochmütig genug gewesen, ihm den Krieg zu erklären. Euer Land habt Ihr Euch durch Euern Ungehorsam verscherzt.“

„O Fürst,“ sprach Gwijde, „laßt mich Gnade vor Euch finden. Möge Eure Majestät bedenken, wie schmerzlich und kummervoll es für einen Vater sein muß, wenn man ihm sein Kind entreißt. Habe ich nicht in tiefer Wehmut gebeten? Habe ich nicht gefleht, um sie wieder zu erhalten? O König, wenn man Euch Euern Sohn, meinen zukünftigen Herrn Ludwig, der so stattlich neben Euch steht, wenn man Euch diesen entrisse und ihn in fremdem Lande einkerkerte, würde Eure Majestät nicht zu jeder Gewalttat bereit sein, um das Blut, das Euch entsprossen ist, zu rächen und zu befreien? O ja, Euer Vaterherz versteht mich, ich werde Gnade vor Euch finden!“

Philipp der Schöne blickte seinen Sohn zärtlich an; in diesem Augenblick erwog er Gwijdes Schmerz und empfand inniges Mitleid mit dem unglücklichen Grafen.

„Sire,“ rief Ludwig in tiefer Rührung, „o seid ihm um meinetwillen gnädig! Habt doch Mitleid mit ihm und seinem Kinde, ich bitte Euch herzlich darum!“

Der König richtete sich auf, und seine Züge wurden streng.

„Laßt Euch durch die Worte eines ungehorsamen Vasallen nicht so leicht hinreißen, mein Sohn,“ sagte er. „Aber ich will nicht unerbittlich sein, wenn man mir beweisen kann, daß er nur durch Vaterliebe und nicht durch Trotz zu seiner Handlung getrieben wurde.“

„Herr,“ sagte Gwijde, „es ist Eurer Majestät bekannt, daß ich, um mein Kind wieder zu bekommen, alles versucht habe, was in meiner Macht lag. Aber vergebens. Mein Flehen, mein Bitten waren umsonst. Alles, selbst die Bemühung des Papstes, blieben fruchtlos … Was war da noch zu tun? Da hatte ich zu hoffen gewagt, daß Waffengewalt meiner Tochter Befreiung bringen würde. Doch das Geschick war mir nicht günstig. Ew. Majestät behielt den Sieg.“

„Aber,“ fiel ihm der König ins Wort, „was können wir für Euch tun? Ihr habt unseren Vasallen ein verderbliches Beispiel gegeben. Wenn wir Euch nun gnädig sind, werden sie alle gegen uns aufstehen, und Ihr werdet Euch sicher aufs neue mit unseren Feinden verbinden!“