„O, mein Fürst,“ antwortete Gwijde, „beliebt nur, die unglückliche Philippa ihrem Vater wiederzugeben, und ich werde Euch ewig dankbar sein!“

„Und wird Flandern die geforderten Summen aufbringen, und werdet Ihr uns das nötige Geld verschaffen, um die Kosten, die Euer Ungehorsam verursacht hat, zu decken?“

„Dieser Gnadenbeweis Eurer Majestät wird mir nie zu teuer sein! Eure Befehle werde ich ehrerbietigst vollziehen. Aber mein Kind, o König, mein Kind!“

„Euer Kind,“ wiederholte der König unschlüssig.

Jetzt dachte er an Johanna von Navarra, die die Tochter des Grafen von Flandern nicht gutwillig freigeben würde. Er durfte seinem guten Herzen nicht folgen; denn zu sehr fürchtete er den Zorn der trotzigen Johanna. Deshalb wollte er kein bestimmtes Versprechen geben und sagte:

„Nun, die Fürsprache meines geliebten Bruders hat viel für Euch getan. Seid guter Hoffnung, denn Euer trauriges Los rührt mich. Ihr wart schuldig, aber Eure Strafe ist schwer. Ich werde versuchen, sie zu erleichtern. Trotzdem beliebt es uns heute nicht, Euch in Gnaden zu empfangen: erst müssen gründliche Nachforschungen stattfinden. Dann verlangen wir Eure Unterwerfung in Gegenwart aller Vasallen, damit sie sich an Euch ein Vorbild nehmen. Verlaßt uns jetzt, damit wir beraten können, was sich für einen untreuen Vasallen tun läßt.“

Auf diesen Befehl verließ der Graf von Flandern den Saal. Er war noch nicht aus dem Palast gegangen, als sich schon unter den französischen Herren das Gerücht verbreitete, daß ihm der König Land und Tochter wiedergeben wollte. Viele beglückwünschten ihn von Herzen; andere wieder, die auf die Eroberung von Flandern ihre ehrgeizigen Pläne gebaut hatten, waren tief ergrimmt. Aber sie ließen es nicht merken, da sie gegen den königlichen Willen doch nichts ausrichten konnten. –

Freude und Vertrauen erfüllten jetzt die Herzen der vlaemischen Ritter; sie schmeichelten sich mit süßer Hoffnung und freuten sich schon auf die Befreiung ihres Vaterlandes. Sie glaubten, daß nichts den guten Ausgang des Unternehmens hindern könnte, da der König nach dem guten Empfang Herrn von Valois versichert hatte, daß er Gwijde großmütig entgegenkommen wollte. –

Graf Gwijde traf schon die nötigen Vorbereitungen, um bei seiner Rückkehr den königlichen Befehlen nachzukommen und seine Untertanen durch einen langen Frieden für den letzten Krieg zu entschädigen. Sogar Robrecht van Bethune zweifelte durchaus nicht an der versprochenen Gnade; denn seit sein Vater am Hofe gewesen, waren die französischen Herren äußerst liebenswürdig und ehrerbietig zu den Vlaemen. Hierin zeigte sich nach ihrer Meinung des Königs Wohlwollen: sie wußten, daß die Absichten und Gedanken der Fürsten stets auf den unentschiedenen Mienen der Höflinge zu lesen sind. –