„Ganz recht, mein Herr van Bethune,“ entgegnete Dietrich. „Hört, was mich so tödlich betrübt: Johanna von Navarra und Enguerrand von Marigny sind in Compiègne.“

Diese Namen wirkten auf alle Ritter fürchterlich. Wie betäubt beugten alle schweigend das Haupt. Endlich reckte der junge Wilhelm die Hände gen Himmel und rief verzweifelt:

„O Himmel! die schlimme Johanna – Enguerrand von Marigny! Weh! meine arme Schwester! – Vater, wir sind verloren!“

„Das also sind die Teufel, von denen der gute Fürst besessen ist,“ sagte Dietrich. „Ihr sehet nun, durchlauchtigster Graf, daß es Euer Diener nicht schlecht meinte, als er Euch in Wijnendaal vor dieser Schlange warnte.“

„Wer hat Euch gesagt, daß die Königin von Navarra nach Compiègne gekommen sei?“ fragte der Graf, als ob er noch an der Sache zweifle.

„Meine eigenen Augen, ihr Herren,“ antwortete Dietrich. „Stets fürchtete ich Verrat, denn ich traute den doppelsinnigen Worten nicht. Deshalb habe ich dauernd gewacht, gespäht und aufgepaßt. So habe ich Johanna von Navarra gesehen, ihre Stimme gehört. Meine Ehre setz' ich dran, daß meine Worte wahr sind.“

„Hört, ihr Herren,“ sprach Walter van Lowendeghem, „Dietrich sagt uns die Wahrheit, er gibt sein Ehrenwort darauf; Johanna von Navarra ist also beim König. Die ungnädige Fürstin wird alles aufbieten, um uns zu schädigen, und Gott weiß, was ihr alles zu Gebote steht. Am besten überlegen wir schleunigst, wie wir uns aus dieser Schlinge ziehen. Käme man, um uns festzunehmen, so wäre es zu spät.“

Der alte Graf versank in trostlose Trauer. Keine Rettung sah er aus dieser gefährlichen Lage, hier inmitten in des Königs Landen schien ihm die Flucht nach Flandern unmöglich. Robert van Bethune murrte und verwünschte innerlich die Reise, die ihn seinen Feinden wehrlos in die Hände geliefert hatte.

Während sie alle in trübem Schweigen auf den trostlosen Grafen blickten, trat ein Hofknappe in die Tür des Saales und rief:

„Herr von Nogaret, Gesandter des Königs!“