Eine plötzliche Bewegung offenbarte die Erschütterung der Vlaemen ob dieser Ankündigung. Nogaret war stets der Vollstrecker geheimer Befehle des Königs. Sie glaubten, er käme mit den Leibwachen, um sie gefangenzunehmen. Robrecht van Bethune zog seinen Degen aus der Scheide und legte ihn vor sich auf den Tisch; auch die andern griffen an die Schwerter, während sie zur Tür starrten.

So standen sie da, als Nogaret hereintrat. Er verbeugte sich höflich vor den Rittern und sagte zu Gwijde gewandt:

„Graf von Flandern, mein gnädiger König und Gebieter wünscht, daß Ihr Euch morgen vormittag gegen elf Uhr mit Euren Lehensmannen zu Hofe begebet, um öffentlich von ihm Verzeihung für Euer Vergehen zu erflehen. Die Ankunft der durchlauchtigsten Königin von Navarra hat diesen Befehl beschleunigt. Sie selbst hat sich bei ihrem fürstlichen Gemahl für Euch verwandt, und ich soll Euch von ihr ausrichten, daß sie Eure Unterwerfung gern sähe. – Also bis morgen, ihr Herren! Entschuldigt, daß ich euch so eilig verlasse. Ihre Majestät wartet auf mich, und ich darf nicht säumen, – der Herr beschütze euch!“

Mit diesem Gruß schritt er aus dem Saale.

„Dem Himmel sei Dank, meine Herren,“ sprach Gwijde. „Der König ist uns gnädig gesinnt, und nun können wir getrost und heiter zur Ruhe gehen. Ihr habt des Königs Wünsche vernommen: rüstet euch also, ihnen geziemend zu entsprechen.“

Nun fanden die Ritter ihre frohe Laune wieder. Sie plauderten noch eine Weile von Dietrichs Furcht und dem verheißenen guten Erfolg, dann ward der letzte Becher auf ihres Grafen Wohl geleert. Als sie sich trennen wollten, ergriff Dietrich Robrechts Hand und sagte schwermütig:

„Lebt wohl, mein Freund und Gebieter! ja, lebt wohl; denn vielleicht wird eine lange Zeit vergehen, ehe ich Euch wieder einmal die Hand drücken kann. Denkt daran, daß Euer Diener Dietrich Euch immer trösten und beistehen wird, in welchem Kerker Ihr auch sein möget.“

Robrecht sah eine Träne in Dietrichs Augen glänzen und entnahm daraus die tiefe Rührung seines treuen Freundes. „Ich verstehe Euch, Dietrich,“ flüsterte er ihm ins Ohr. „Was Ihr fürchtet, ahnt auch mir; aber es gibt keinen Ausweg. Lebt denn wohl, bis auf bessere Tage.“

„Ihr Herren,“ rief Dietrich im Fortgehen, „wenn ihr Nachrichten an eure Blutsverwandten nach Flandern zu senden habt, so rate ich euch, macht sie bald fertig; ich werde euer Bote sein.“