Auf diesen Ruf drangen zahlreiche Wachmannschaften durch alle Türen in den Saal. Die vlaemischen Ritter ließen sich ohne Gegenwehr gefangennehmen. Sie wußten, daß Gewalt sie nicht retten konnte, da sie unbewaffnet und von vielen Feinden umringt waren.
Einer der Anführer ging auf den alten Gwijde zu, legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte:
„Herr Graf, ich nehme Euch im Namen des Königs, meines Gebieters, gefangen.“
Der Graf von Flandern blickte ihn traurig an, wandte sich zu Robrecht hin und seufzte:
„Weh, unglücklicher Sohn!“
Robrecht van Bethune stand regungslos bei den französischen Rittern, die ihn fragend anschauten. Als hätte ihn eine unsichtbare Hand mit einem Zauberstabe berührt, zuckte jäh eine krampfhafte Bewegung durch seinen Körper; seine Muskeln spannten sich, seine Augen sprühten. Wie ein Löwe sprang er vor, und der ganze Saal erdröhnte von seiner gewaltigen Stimme, da er ausrief:
„Unselige, ich sah eine unedle Hand die Schulter meines Vaters berühren; hinweg mit ihr, oder ich will des Todes sein!“
Im Sprunge riß er einem Söldner gewaltsam die Streitaxt aus den Händen. Ein furchtbarer Schrei entfuhr den Rittern ringsum, und alle zogen die Degen, denn sie glaubten das Leben des Königs bedroht. Doch bald schwand die Furcht, denn Robrecht hatte schon zugeschlagen. Er hatte seine Drohung ausgeführt: der Arm des Anführers, der seinen Vater berührt, lag mit der vermessenen Hand am Boden, und das Blut strömte aus der schrecklichen Wunde.
Ein Haufen Söldner stürzte auf Robrecht zu, um ihn zu packen, doch blind und toll vor Wut schwang er die Streitaxt ums Haupt, und nicht einer wagte sich in seinen Bereich. Ohne Zweifel würde noch mehr Unglück geschehen sein, wenn nicht der alte Gwijde in ängstlicher Sorge um das Leben seines Sohnes diesem flehend zugerufen hätte:
„Robrecht, du mein großherziger Sohn, ach, ergib dich um meinetwillen; tue es, ich bitte dich, ich befehle es dir!“