Bei diesen Worten umfaßte er Robrecht, und dieser fühlte die Tränen seines Vaters auf seine Hand niedertropfen. Jetzt sah er seine Unbesonnenheit ein. Er entrang sich den Armen des Grafen, warf die Streitaxt wuchtig über die Köpfe der Söldner hinweg an die Wand und rief:
„Heran, ihr feigen Mietlinge! fangt denn den Löwen von Flandern; zaget nicht mehr, er ergibt sich.“
In großer Anzahl warfen sich die Söldner auf ihn und nahmen ihn gefangen.
Während er mit seinem Vater aus dem Saale geführt wurde, rief er Karl von Valois zu:
„Euer Wappenschild ist nicht beschmutzt; Ihr waret und seid weiter der edelste Ritter von Frankreich, Eure Treue bleibt unversehrt. Dies sagt der Löwe von Flandern, auf daß man es höre.“
Die französischen Ritter hatten ihre Degen wieder eingesteckt, sobald sie inne wurden, daß das Leben des Königs nicht bedroht war. Mit der Gefangennahme der Vlaemen mochten sie nichts zu tun haben, – es hätte ihren Adel geschändet.
In dem Herzen des Königs und der Königin herrschten sehr verschiedene Gefühle. Philipp der Schöne war schmerzlich ergriffen und betrübt über das gefällte Urteil. Johanna hingegen freute sich über Robrechts Widerstand. Er hatte es gewagt, in Gegenwart des Königs einen seiner Diener zu verwunden; diese Tat konnte ihr in ihren rachsüchtigen Plänen vortrefflich zustatten kommen.
Der König vermochte seine Rührung und Betrübnis nicht zu bergen und wollte gegen den Wunsch seiner stolzen Gemahlin den Thron und den Saal verlassen. Er erhob sich und sprach:
„Meine Herren! Wir beklagen den ungestümen Verlauf dieses Verhörs gar sehr. Lieber hätten Wir bei dieser Gelegenheit euer Edlen Unsere Gnade erzeigt; aber zu Unserm großen Leidwesen war das im Interesse Unserer Krone nicht möglich. Gemäß Unserm königlichen Willen sorget, daß die Ruhe in Unserm Palast fürder nicht gestört werde.“
Auch die Königin erhob sich und wollte mit ihrem Gemahl die Stufen des Thrones herabsteigen, doch ein neues Hemmnis trat ihr in den Weg. Karl vor Valois hatte lange fernab in tiefem Nachdenken gestanden; die Ehrerbietung und Liebe, die er seinem Bruder entgegen brachte, kämpften lange in ihm gegen den Ärger über diesen Verrat. Plötzlich brach sein Zorn los, sein Antlitz ward weiß, rot und blau, und wie rasend warf er sich der Königin entgegen.