„Madame,“ schrie er, „Ihr sollt mich nicht ungestraft entehren! Hört, meine Herren, ich spreche vor Gott, unser aller Richter: Ihr, Johanna von Navarra, seid es, die das Vaterland durch ihre Verschwendung gebrandschatzt hat! Ihr seid es, die das Reich meines edlen Bruders zugrunde richtet! Ihr bringt Frankreich nur Schmach und Hohn! Die Untertanen des Königs machtet Ihr durch Verfälschung der Münzen und ungerechte Erpressungen unglücklich! – Und ich sollte Euch noch dienen?! Nein, Ihr seid ein falsches, verräterisches Weib!“

Wütend riß er seinen Degen aus der Scheide, brach ihn auf dem Knie entzwei und warf die Stücke mit solcher Gewalt zu Boden, daß sie auf die Stufen des Thrones flogen.

Johanna barst schier vor rasendem Zorn. Ihren Zügen entschwand in teuflischer Verzerrung alles Weibliche; man hätte glauben können, daß sie vom Schlag getroffen sei.

„Packt ihn! packt ihn!“ stieß sie hervor.

Die Leibwachen, die noch im Saale waren, wollten diesen Befehl vollziehen. Schon trat ihr Hauptmann an Karl von Valois heran; aber der König liebte seinen Bruder zu innig, als daß er dies dulden konnte.

„Wer Herrn von Valois berührt, soll noch heute sterben!“ rief er.

Auf diese Drohung blieben die Wachen regungslos stehen, und von Valois verließ ungehindert den Saal, so sehr auch die wütende Königin zeterte.

Derart endigte dies stürmische Schauspiel. Gwijde ward zu Compiègne eingekerkert, Robrecht führte man nach Bourges in Berry, seinen Bruder Wilhelm nach Rouen in der Normandie. Die übrigen vlaemischen Herren wurden, ein jeglicher in einer andern Stadt, gefangen gehalten, damit sie einander nicht trösten konnten. Dietrich der Fuchs kehrte als einziger nach Flandern zurück, denn in seinem Pilgerrock hatte man ihn nicht erkannt.

Mit Hilfe seiner Freunde zog Karl von Valois alsbald nach Italien und kam erst wieder nach Frankreich, als Ludwig Hutin nach dem Tode Philipps des Schönen den Thron bestiegen hatte. Er verklagte dann Enguerrand von Marigny wegen vieler Staatsverbrechen und ließ ihn zu Montfaucon henken. Aber in Wahrheit darf man behaupten, daß der Tod dieses Ministers mehr der Gefangennahme des Grafen Gwijde als seinen anderen Missetaten zuzuschreiben ist, und daß Karl von Valois ihn henken ließ, um für diesen Verrat Rache zu nehmen.

[VI.]