Als Adolf van Nieuwland die junge Machteld seinem Schutz anvertraute, da lächelte er befriedigt, denn das war ja ein Triumph des Volkes, welches er vertrat. Er berechnete die Vorteile, die ihm bei der Ausführung des großen Befreiungsplanes aus der Gegenwart des durchlauchtigsten Edelfräuleins erwachsen konnten.
„Herr van Nieuwland,“ antwortete er, „Eure Bitte ehrt mich sehr. Alles soll zum Schutz eines so edlen Sprosses geschehen.“ Und um die Bedeutung des Volkes noch mehr zu unterstreichen, fügte er hinzu:
„Aber sie könnte von hier entführt werden, noch ehe ich ihr zu Hilfe kommen kann.“
Das erzürnte Adolf sehr, denn er schloß daraus, daß der Obmann nicht so recht bei der Sache war. Deshalb erwiderte er:
„Wenn Ihr uns nicht tatkräftig helfen könnt, Meister, so ratet mir bitte, was man am besten zum Schutze der Tochter unseres Landesherrn tun könnte.“
„Die Weberzunft ist stark genug, um das Edelfräulein vor allem Unheil zu bewahren,“ antwortete De Coninck listig; „ich kann Euch versichern, sie würde hier in Brügge ebenso sicher wie in Deutschland wohnen können, wenn ich sie beraten dürfte.“
„Aber wer hindert Euch daran?“ fragte Adolf.
„O Herr, ein geringer Bürger kann nicht so ohne weiteres über seine Landesherrin verfügen; sollte es ihr aber belieben, künftig meinem Rate zu folgen, so könnte ich für sie einstehen.“
„Ich verstehe Euch nicht recht, Meister. Was verlangt Ihr denn von der Jungfrau? Ihr wollt sie doch nicht anderswohin bringen?“
„O nein; – aber sie dürfte sich nicht ohne mein Wissen auf die Straße begeben, sich auch nicht weigern, auszugehen, wenn ich es für nötig halte. Übrigens soll es Euch freistehen, mir diese Vollmacht zu entziehen, sobald Ihr an meiner Aufrichtigkeit zweifelt.“