Albane erblaßte. Dieser theure Name regte die tiefste Sehnsucht ihres Busens auf. »Wenn das wäre,« antwortete sie mit wankender Stimme, »dann hätte ich nur einen Schmuck –: zahllose Perlen! Perlen aus dem tiefsten Meer!« Und über ihre Wangen rollten Thränen, in denen ein Glanz von Freude schimmerte.

Die große Tragödie des Krieges war aus, die Völker steckten das Schwerdt in die Scheide, die Fürsten zogen ruhmgekrönt nach Haus. Gras wuchs über den Schmerz der Welt, und wo am meisten Blut geflossen, da blühte die segensreiche Aehre am schönsten. – Jetzt war dem Grafen zu Muthe, als wäre ein langer Kampf in ihm zu Ende, und er dürfe nun auch heimziehen. Er sehnte sich nach Ruhe – nach einer neuen oder vielmehr alten Ordnung der Dinge. »Albane,« sagte er, »ich habe es nun satt, dies Nomaden-Leben. Wir wollen fort, nach Bühle –« ein leiser letzter Schauer vor Bonna rieselte über seine Nerven – »hörst Du? meine Tochter?« Dann setzte er hinzu: »Sanct Capella ist nicht weit von dort.«

»Die Klöster sind aufgehoben –« antwortete die Gräfinn, indem sich bei dem Worte ihres Vaters der Schleier hob, worein sie, völlig entsagend, alle Wünsche, ihr irdisch Leid, vor der ganzen Welt verhüllt hatte.

»Nun, das Stift steht ja noch –« versetzte Jener, als wolle er sich nicht merken lassen, daß er daran nicht gedacht. »Nonne kannst Du nicht werden –« fuhr der Graf wie befreit fort, »nicht Seine päbstliche Heiligkeit, nein! der himmlische Vater selbst hat Dir Dispens davon gegeben, und Du bist mehr als eine barmherzige Schwester, Du bist eine wohlthätige Tochter geworden, für mich alten schwachen Mann!«

Da weinte Albane laut. Sie fühlte sich entsündigt, und daß die Liebe des Gesetzes Erfüllung sey.

Die Zurüstungen zur Reise wurden nun getroffen. »Wie werde ich Alles finden?« fragte die Gräfinn sich tausendmal. Das Thor der Möglichkeiten that sich weit vor ihr auf – doch der künftige Tag ist den Sterblichen verschlossen.


Wir finden Theresen auf der Reise nach ihrem künftigen Wohnorte wieder. Sie sitzt an der Seite des Gemahls, berührt von seinem Mantel; ihre Hand liegt in der seinigen –; aber die Jahre ihrer Entfernung, die Länder, welche Constanz durchreist, liegen fühlbarer noch für seine Gattinn, zwischen ihnen. Sogar seine Stimme klingt ihr fremd – wie von einem dunkeln Jenseits herüber. Jener rührende Zauber, womit die geliebteste Stimme an die Seele dringt: er war vernichtet durch eine Gegenkraft – und Therese hörte nur, daß ihr Mann etwas heiser sey. – Sie blickt in den Boden seines Hutes, den sie auf ihrem Schooße hält, weil Constanz, um besser zu ruhen, sich mit unbedecktem Haupte in die Ecke des Wagens geschmiegt hat; doch eigentlich blickt sie in die Tiefe ihres Herzens, das auch ohne Hut und deshalb übel gefahren ist – und ein fremder Meister hat dort auch seine dunkle Vignette angeheftet. – Die Fahrt geht rasch; aber Therese kann sich von dem Gedanken an das Stift nicht losreißen, und doch, so wie der unermeßliche Himmel sich vor ihr ausspannt, spannt ein geheimnißvoller Aether die Flügel ihrer Sehnsucht nach der Ferne. –

»Erzähle mir etwas Du Liebste! von Deinen Freunden –« sagte Constanz zu seiner schweigsamen Gefährtinn, »und vergönne, daß ich Dir still zuhöre. Es ist, als ob mir jedes Wort einen schmerzenden Reiz in der Luftröhre verursachte. Wie es scheint, hast Du sehr glücklich in Sanct Capella gelebt.«

»O sehr glücklich!« antwortete Therese mit einem Seufzer der Wehmuth; und der Accent dieser Versicherung hätte ihren Mann beleidigen müssen, wenn er innigere Ansprüche an seine Frau gemacht.