Schon süßen Trost der Brust hienieden,

Wie süß, wie süß wird einst der Frieden

Im Schatten Eurer Blüthen seyn!«

»Welch ein köstliches Lied, mein süßes Mädchen!« sagte die Nonne mit schimmernden Augen, »es spricht für eine tiefe und heilige Empfindung. Kennst Du den Dichter?«

Josephine nannte ihn –*) und sprach: »es ist auch mein liebstes. Seit ich es habe, singe ich es fast nur allein, doch nicht oft, weil es weder gestört noch täglich werden darf, und eine Stimmung und Stille erheischt, die – wie jetzt –«

*): Heinrich Wenzel.

»Ein Schlummerlied im höheren Chor –« unterbrach Schwester Veronica die Rede des Mädchens. »Wenn das Kind etwa schon gestorben wäre: so könntest Du den Schrei des Schmerzes aus der Brust der Eltern damit eingesungen haben.«

Die Thür ging auf, und Fabiens dunkle Gestalt trat gespenstisch mit müden Schritten ein. Sie hielt einen Brief uneröffnet, verhängnißvoll in ihrer weißen Hand.

»Nun, Frau Fabia,« sagte die Nonne und erhob sich von ihrem Sessel, »was werden wir nun erfahren?«

»Die Kleine ist dem Herrn entschlafen –« antwortete Fabia mit jener dumpfen Ruhe christlicher Ergebung, die jedoch wachsam für ihren Ausdruck ist. »Noch ist die Mutter betäubt, der Vater hingegen scheint gelassen; nur fürchte ich, daß es nicht vorhalten werde. – Noch kein Licht, Josephine? wie kann man so gern im Finstern seyn! – besorge es geschwind, daß ich diesen Brief lesen kann. Ein Bote von Bühle ist angekommen, und die einfältigen Leute schickten ihn mir nach. Es war, als ob der Tod hörbar anklopfte, und Furcht und Schrecken kam uns Alle an, die wir still um das kleine Sterbebett standen und beteten.«