»Fabia!« sagte der Administrator gerührt, »wollte Gott! mein Facit wäre einst dem Deinen gleich, und wir Alle könnten in der Rechnung bestehen, wie Du! – Wie treu hat Deine liebe Hand auf meinem Nutzen gesehen! der Himmel möge Dich dafür belohnen!« Er küßte die nützliche Rechte mit einer größeren Wärme als der Dankbarkeit – und diese zuverlässige Hand zitterte ein wenig. –
Am Morgen der Trauung – Josephine war nur wenige Tage vorher von Bühle nach dem Stift zurückgekehrt – brachte Schwester Veronica ihrem Liebling den Brautkranz. Sie waren allein. Mit zitternder Stimme sagte sie: »Josephine! mein theures Kind! hier bringe ich Dir den Kranz, von meinen Händen sollst Du ihn empfangen.« Das zarteste jungfräuliche Bewußtseyn lag in diesen Worten. »Und indem ich Dir ihn aufsetze –« die Nonne that es mit leisem Beben, »ist es mir, als würde mein liebes Kloster mir wieder eingesetzt. Liebe und Treue sind doch Altäre, die der Himmel aufrecht hält! – Als ich im Frühling die Zweiglein von der Myrthe schnitt, zu dem Todtenkränzchen für die kleine Julie, und Perlen dazu fädelte: wenn mir das der Baum damals gesagt hätte! – Auch in diesen habe ich Perlen geflochten, Freudenperlen! Segensthränen! trage ihn zu lebenslänglichem Glück! die Krone der Unschuld, die Dir Dein Engel reicht, die trägst Du ewig! – Heute fühle ich wieder wie groß Gott ist! wie gut! – Ich bin Jungfrau, und Dein bräutlicher Anblick läßt mich das Entzücken einer Mutter empfinden. Ich werde nun nicht einsam sterben; Du, geliebtes Kind, wirst mir meine Augen schließen – und dann den Ring erben.«
Josephine umschlang die Nonne, und drückte schon jetzt, sanft küssend, die weinenden zu, das heilige Vermächtniß zu besiegeln. Sie war eine Erbinn dieses Herzens und seines Friedens.
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Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "irdisch" – "irrdisch", "ist's" – "ists", "Lieutenant" – "Lieutnant", "Obristin" – "Obristinn",
mit folgenden Ausnahmen,
Seite [6]:
"Aufsicht" geändert in "Aussicht"
(ohne Aussicht auf eine andere Versorgung)
Seite [18]:
"nnd" geändert in "und"
(und fragte ihn um seine Meinung)