Frau Alving. Gut, Herr Pastor; sprechen Sie!

Pastor Manders. Erinnern Sie sich, daß Sie nach kaum einjähriger Ehe am äußersten Rande des Abgrunds standen? Daß Sie Ihr Haus und Ihr Heim verließen — daß Sie Ihrem Manne entflohen; — ja, Frau Alving, flohen, flohen, und sich weigerten, zu ihm zurückzukehren, wie sehr er auch bat und flehte?

Frau Alving. Haben Sie vergessen, wie grenzenlos unglücklich ich während dieses ersten Jahres war?

Pastor Manders. Das ist grade der rechte Geist des Aufruhrs, der immer das Glück hier im Leben erstrebt. Welches Recht haben wir Menschen denn ans Glück? Nein, wir sollen unsere Pflicht thun, Frau Alving! Und Ihre Pflicht war es, fest zu dem Manne zu halten, den Sie einmal gewählt hatten und an den Sie durch ein heiliges Band geknüpft waren.

Frau Alving. Sie wissen sehr wohl, welches Leben Alving in jener Zeit führte, welcher Ausschweifungen er sich schuldig machte.

Pastor Manders. Ich weiß leider, welche Gerüchte über ihn gingen; und ich bin der letzte, der seinen Lebenswandel während der Jugendjahre billigt. Aber die Gattin ist nicht zum Richter über ihren Gatten gesetzt. Es wäre Ihre Schuldigkeit gewesen, mit demüthigem Sinn das Kreuz zu tragen, welches ein höherer Wille Ihnen auferlegt hatte. Aber statt dessen werfen Sie in Empörung dieses Kreuz von sich, verlassen den Strauchelnden, den Sie hätten stützen sollen, gehen hin und setzen Ihren guten Namen und Ihren Ruf aufs Spiel, und — — sind nahe daran, den Ruf anderer obendrein zu verscherzen.

Frau Alving. Anderer? Sie meinen doch nur eines anderen.

Pastor Manders. Es war äußerst rücksichtslos von Ihnen, bei mir Zuflucht zu suchen.

Frau Alving. Bei unserem Priester? — Bei unserem Hausfreund?

Pastor Manders. Grade deshalb. — Ja, danken Sie Ihrem Herrn und Gott, daß ich die nöthige Festigkeit besaß, — daß ich Sie von Ihrem überspannten Vorhaben abbrachte und daß es mir vergönnt war, Sie auf den Weg der Pflicht zurückzuführen, in Ihr Heim — zu Ihrem rechtmäßigen Gatten.