Oswald (lächelt schwermüthig). Ja, was sagst du dazu? Ich versicherte ihn selbstverständlich, daß von solchen Dingen gar nicht die Rede sein könne. Aber meinst du, daß er mir glaubte? Nein; er blieb bei seiner Meinung; und erst, als ich deine Briefe hervor nahm und ihm all jene Stellen übersetzte, die vom Vater handelten —
Frau Alving. Da —?
Oswald. Ja, da mußte er einräumen, daß er auf falscher Fährte; — und dann erfuhr ich die Wahrheit. Die unfaßbare Wahrheit! Ich hätte mich fern halten sollen von diesem jubelnden, glückseligen Jugendleben mit den Kameraden. Es sei für meine Kräfte zu stürmisch gewesen. Selbstverschuldet, also!
Frau Alving. Oswald! Nein, nein! Glaub' das nicht!
Oswald. Es sei keine andere Erklärung möglich, sagte er. Das ist das Entsetzliche. Unheilbar vernichtet für das ganze Leben — — durch meine eigene Unbesonnenheit. — All das Schöne, das Große, das ich auf dieser Welt geschaffen haben würde, — nicht einmal daran denken dürfen, — nicht daran denken können! — Ach, könnte ich das Leben von neuem beginnen, — alles, alles ungeschehen machen! (Wirft sich aufs Sopha, verbirgt das Gesicht.)
Frau Alving (ringt die Hände, geht schweigend aber sichtbar kämpfend auf und ab).
Oswald (nach einer Pause aufblickend und auf den Ellenbogen gestützt liegen bleibend). Wenn es wenigstens ererbt gewesen wäre, — etwas, das ich nicht selbst verschuldet. Aber dieses! Sein eignes Glück, — seine Gesundheit, — alles auf der Welt, — seine Zukunft — sein Leben auf so schmähliche, gedankenlose, leichtsinnige Weise vergeudet zu haben —! Fürchterlich!
Frau Alving. Nein, nein, mein lieber, theurer Sohn; das ist unmöglich! (Beugt sich über ihn.) Es steht nicht so verzweifelt mit dir wie du glaubst.
Oswald. O, du weißt nicht — (Springt auf.) Und dann, Mutter, daß ich dir all diesen Kummer bereiten muß! Wie manches Mal habe ich doch gewünscht und gehofft, daß du mich nicht so innig lieben möchtest!
Frau Alving. Ich! Oswald, mein einziger Sohn! Das Einzige, was ich auf der Welt besitze; das Einzige, woran meine Seele hängt.