REBEKKA (sieht ihn an). Ich glaube mich zu erinnern, lieber Rektor, es gab eine Zeit, da hegten Sie ein außerordentlich starkes Vertrauen zu mir. Ein warmes Vertrauen, hätt ich bald gesagt.
KROLL (gedämpft). Wen vermochten Sie nicht zu behexen, – wenn Sies drauf anlegten?
REBEKKA. Legt ichs denn darauf an, Sie –!
KROLL. Jawohl, das taten Sie. Jetzt bin ich nicht mehr so'n Narr, mir einzubilden, es sei irgend ein Gefühl mit im Spiel gewesen. Sie wollten sich einfach hier auf Rosmersholm Eingang verschaffen. Sich hier festsetzen. Und dabei sollt ich Ihnen behülflich sein. Nun seh ichs.
REBEKKA. Sie haben also vollständig vergessen, daß es Beate war, die mich bat und anflehte, hierher zu kommen.
KROLL. Ja, als Sie die ebenfalls behext hatten. Oder kann man das Gefühl, das Beate für Sie empfand, vielleicht Freundschaft nennen? Es schlug um in Vergötterung, – in Anbetung. Es artete aus in, – wie soll ichs nennen? – in eine Art verzweifelter Verliebtheit. Ja, das ist das richtige Wort.
REBEKKA. Sie wollen sich gütigst erinnern, in welchem Zustand sich Ihre Schwester befand. Was mich betrifft, so glaub ich nicht, daß man mich der Überspanntheit beschuldigen kann.
KROLL. Nein wahrhaftig nicht. Aber desto gefährlicher werden Sie denen, die Sie in Ihre Gewalt haben wollen. Es fällt Ihnen so leicht, mit Überlegung und voller richtiger Berechnung zu handeln, – eben weil Ihr Herz kalt ist.
REBEKKA. Kalt? Wissen Sie das bestimmt?
KROLL. Jetzt weiß ichs ganz bestimmt. Sonst hätten Sie hier nicht jahrelang Ihr Ziel mit so unerschütterlicher Sicherheit verfolgen können. Ja ja, – Sie haben erreicht, was Sie erreichen wollten. Nicht bloß ihn, – alles hier haben Sie in Ihre Gewalt bekommen. Aber um dies alles durchzusetzen, sind Sie nicht davor zurückgeschreckt, ihn unglücklich zu machen.