REBEKKA. Das scheint so.

KROLL. Na, ich denke, dieselbe Bewandtnis hat es wohl auch mit dem meisten von dem, was Sie Ihre Befreiung nennen. Sie haben sich einen ganzen Haufen neuer Gedanken und Meinungen angelesen. Sie wissen einigermaßen Bescheid über die Forschungen auf verschiednen Gebieten, – Forschungen, die manches von dem, was bisher bei uns als unumstößlich und unangreifbar galt, umzustoßen scheinen. Aber dies alles, Fräulein West, ist bei Ihnen nur bloßes Wissen geblieben. Tote Kenntnisse. Es ist Ihnen nicht in Fleisch und Blut übergegangen.

REBEKKA (nachdenklich). Möglich, daß Sie recht haben.

KROLL. Ja, prüfen Sie sich nur selbst, dann werden Sie sehn! Und wenn es so mit Ihnen steht, kann man sich leicht vorstellen, wie es mit Johannes Rosmer bestellt ist. Es ist ja helle blanke Verrücktheit, – es heißt schnurstracks ins Verderben rennen, wenn er offen hervortreten und sich als Abtrünnigen bekennen will! Bedenken Sie, – er mit diesem scheuen Gemüt! Stellen Sie sich ihn vor als verstoßen, – verfolgt von dem Kreise, dem er bisher angehört hat. Rücksichtslosen Angriffen ausgesetzt von den besten unsrer Gesellschaft. Nie und nimmer ist er der Mann, dem die Stirn zu bieten.

REBEKKA. All dem muß er die Stirn bieten! Jetzt ist es für ihn zu spät, sich zurückzuziehen.

KROLL. Zu spät? Durchaus nicht. In keiner Beziehung. Was geschehn ist, kann totgeschwiegen, – oder doch jedenfalls als eine bloß vorübergehende wenn auch beklagenswerte Verirrung erklärt werden. Aber – eine Verhaltungsmaßregel ist freilich unumgänglich notwendig.

REBEKKA. Und die wäre?

KROLL. Fräulein West, Sie müssen ihn veranlassen, das Verhältnis zu legalisieren.

REBEKKA. Das Verhältnis, in dem er zu mir steht?

KROLL. Ja, Sie müssen sehn, daß Sie ihn dazu bewegen.