KROLL. Ja, sehn Sie, das ist nun das unglaublichste von allem. Sie, die ihr ganzes Leben lang – im grossen wie im kleinen – meine Meinungen geteilt und all meine Anschauungen gebilligt hat, – sie ist tatsächlich geneigt, sich in manchen Punkten auf die Seite der Kinder zu stellen! Und dabei mißt sie mir die Schuld bei wegen des Geschehnen. Sie behauptet, ich tyrannisiere die Jugend. Als ob es nicht unbedingt notwendig wäre, sie –. Na, so also herrscht Unfrieden in meiner Familie. Aber natürlich sprech ich so wenig wie möglich davon. Sowas vertuscht man am besten. (Geht im Zimmer hin und her.) Ach ja; jaja. (Er stellt sich mit den Händen auf dem Rücken ans Fenster und sieht hinaus.)

REBEKKA (hat sich ROSMER genähert und sagt leise und schnell, ohne vom Rektor bemerkt zu werden). Tus!

ROSMER (ebenso). Heut abend nicht.

REBEKKA (wie vorhin). Ja grade! (Tritt an den Tisch und macht sich mit der Lampe zu schaffen.)

KROLL (kommt nach vorn). Ja, mein lieber Rosmer, nun weißt du also, wie der Zeitgeist seine Schatten auf mein Familienleben und meine Berufstätigkeit geworfen hat. Und diesen verderblichen, alles niederreißenden und auflösenden Zeitgeist sollt ich nicht bekämpfen mit all den Waffen, deren ich habhaft werden kann! Ja, mein Lieber, ich werd ihn bekämpfen, verlaß dich drauf. In Wort und Schrift.

ROSMER. Und hast du Hoffnung, auf diese Weise etwas zu erreichen?

KROLL. Jedenfalls will ich meiner staatsbürgerlichen Dienstpflicht genügen. Und ich meine, es ist jedes patriotisch gesinnten und um die gute Sache besorgten Mannes Pflicht und Schuldigkeit, dasselbe zu tun. Siehst du, – das ist der Hauptgrund, weshalb ich heut abend zu dir gekommen bin.

ROSMER. Aber lieber Kroll, was meinst du –? Was soll ich –?

KROLL. Du sollst deinen alten Freunden zu Hülfe kommen. Tun, was wir tun. Mit Hand anlegen, wo und wie du kannst.

REBEKKA. Aber Herr Rektor, Sie kennen doch Herrn Rosmers Abneigung gegen all diese Dinge.