KROLL. Diese Abneigung muß er jetzt zu überwinden suchen ... Du hältst nicht Schritt mit dem politischen Leben, Rosmer. Da sitzest du hier einsam und mauerst dich ein mit deinen historischen Sammlungen. Du lieber Gott, – alle Achtung vor Stammbäumen und was da drum und dran hängt. Aber zu solchen Beschäftigungen – dazu ist die Zeit leider nicht angetan. Du machst dir keine Vorstellung davon, welche Zustände im Lande herrschen. Alle Begriffe stehn gewissermaßen auf dem Kopfe. 'S wird eine Riesenarbeit werden, all die Irrlehren wieder auszurotten.

ROSMER. Das glaub ich auch. Aber zu solcher Arbeit bin ich nicht geschaffen.

REBEKKA. Und dann glaub ich auch, Herr Rosmer sieht auf die Dinge im Leben jetzt mit offnern Augen als früher.

KROLL (stutzt). Mit offnern Augen –?

REBEKKA. Ja; oder freiern. Weniger befangen.

KROLL. Was bedeutet das? Rosmer, – du kannst doch unmöglich so schwach sein, dich durch eine solche Zufälligkeit wie diesen augenblicklichen Sieg der Massenhäuptlinge betören zu lassen?

ROSMER. Lieber Kroll, du weißt doch, wie wenig ich von Politik verstehe. Aber das find ich allerdings, daß das Volk seit einigen Jahren in seinem Denken mehr Selbständigkeit zeigt.

KROLL. Aha!... Und das betrachtest du so ohne weiters als einen Gewinn! Im übrigen, lieber Freund, irrst du dich ganz gewaltig. Erkundige dich nur, was für Ansichten unter den Radikalen hier auf dem Lande und in der Stadt Kurs haben. 'S ist weiter nichts als die Weisheit, die der »Leuchtturm« verkündet.

REBEKKA. Ja, Mortensgaard hat über viele hier in der Gegend eine große Macht.

KROLL. Ja, denke dir! Ein Mann mit einer so schmutzigen Vergangenheit. Ein wegen Unsittlichkeit fortgejagter Schulmeister –! Ein solcher Mensch spielt sich als Volksführer auf! Und es geht! Geht wirklich! Jetzt will er, hör ich, sein Blatt erweitern. Aus sichrer Quelle weiß ich, daß er einen tüchtigen Hülfsredakteur sucht.