BRENDEL. Du weißt, mein wackrer Johannes, ich bin ein Stück Sybarit. Feinschmecker. Wars all mein Lebtag. Ich lieb es, einsam zu genießen. Denn dann genieß ich doppelt. Zehnfach. Siehst du, – wenn goldne Träume sich auf mich herabsenkten, – mich umfingen, – wenn mein Hirn neue schwindelerregende weltumspannende Gedanken gebar, – und diese mich mit kräftigen Schwingen umrauschten, – dann formt ich sie zu Gedichten, Bildern, Visionen. Verstehst du, so in großen Umrissen.

ROSMER. Ja, ja.

BRENDEL. O, du, wie hab ich Zeit meines Lebens genossen und geschwelgt! Die geheimnisvolle Glückseligkeit der Ausgestaltung, – wie gesagt, in großen Umrissen, – Beifall, Dank, Ruhm, Lorbeerkränze, – alles hab ich mit vollen freudezitternden Händen einkassiert. Mich an meinen geheimen Visionen mit einer Wonne gesättigt, – o, so berauschend groß –!

KROLL. Hm –

ROSMER. Aber niemals etwas niedergeschrieben?

BRENDEL. Kein Wort. Dies platte Schreiberhandwerk hat mir immer einen herzhaften Widerwillen verursacht. Und warum sollt ich auch meine eignen Ideale profanieren, wenn ich sie allein und in ihrer ganzen Reinheit genießen konnte? Aber nun sollen sie geopfert werden. Wahrhaftig, – mir ist dabei zu Mut wie einer Mutter, die ihre jungen Töchter den Ehemännern in die Arme legt. Aber trotzdem, – ich opfre sie, – opfre sie auf dem Altar der Befreiung. Eine Reihe sorgfältig ausgearbeiteter Vorträge – rings im ganzen Lande –!

REBEKKA (lebhaft). Das ist edel von Ihnen, Herr Brendel! Sie geben das teuerste, was Sie besitzen.

ROSMER. Und das einzige.

REBEKKA (sieht ROSMER vielsagend an). Wie viele gibt es wohl, die das tun? Die den Mut dazu haben?

ROSMER (erwidert den Blick). Wer weiß?