ROSMER. Lieber Kroll, du irrst dich ganz und gar. Sie und ich – wir haben gar keine Geheimnisse vor einander.
KROLL. Hat sie dir auch gebeichtet, daß sie mit dem Redakteur des »Leuchtturms« in Briefwechsel getreten ist?
ROSMER. Ah, du spielst auf die paar Zeilen an, die sie Ulrich Brendel mitgab?
KROLL. Du bist also dahinter gekommen. Und billigst du es, daß sie sich in Verbindung setzt mit diesem Skandaljournalisten, der mich als Schulmann und Politiker Woche für Woche an den Pranger zu stellen sucht?
ROSMER. Lieber Kroll, was diesen Punkt betrifft, so hat sie sicherlich nicht einmal daran gedacht. Und übrigens hat sie selbstverständlich die Freiheit zu tun und zu lassen, was ihr beliebt, – grade wie ich.
KROLL. So! Ach ja, das gehört wohl auch zu der neuen Richtung, die du eingeschlagen hast. Und wo du stehst, da steht Fräulein West vermutlich ebenfalls?
ROSMER. Das tut sie. Wir beiden haben uns als treue Kameraden unsern Weg gebahnt.
KROLL (sieht ihn an und schüttelt langsam den Kopf). O, du blinder Tor!
ROSMER. Ich blind? Warum sagst du das?
KROLL. Weil ich das schlimmste nicht zu denken wage – nicht denken will. Nein, nein; laß mich zu Ende reden ... Rosmer, du legst ja wirklich Wert auf meine Freundschaft? Und auf meine Achtung ebenfalls? Nicht wahr?