ROSMER (noch immer ruhig und mit Selbstbeherrschung). Auf etwas so unerhörtes –! Die einzig richtige Antwort wäre, dir die Tür zu weisen.
KROLL (steht auf). Sehr wohl.
ROSMER (stellt sich vor ihn hin). Nun höre. Seit länger als einem Jahr, – seit dem Tage, da Beate uns verließ, – haben Rebekka West und ich immer hier allein auf Rosmersholm gelebt. All diese Zeit hast du Beatens Anklage gegen uns gekannt. Aber niemals hab ich auch nur einen Augenblick bemerkt, daß du an unserm Zusammenleben Anstoß genommen hättest.
KROLL. Bis gestern abend wußt ich nicht, daß es ein Abtrünniger und eine – Freigewordne waren, die dies Zusammenleben führten.
ROSMER. Ah –! Du glaubst also nicht, daß auch Abtrünnige und Freigewordne das Reinheitsgefühl haben können? Du glaubst nicht, daß sie das Sittlichkeitsbedürfnis als einen Naturdrang in sich tragen können!
KROLL. Auf jene Art Sittlichkeit, die ihre Wurzel nicht im kirchlichen Glauben hat, leg ich keinen großen Wert.
ROSMER. Und dies läßt du auch von Rebekka und mir gelten? Von dem Verhältnis zwischen mir und Rebekka –?
KROLL. Zu Euern Gunsten kann ich von der Meinung nicht abgehn, daß es wohl keinen unergründlichen Abgrund gibt zwischen dem freien Gedanken und – hm.
ROSMER. Und was –?
KROLL. – und der freien Liebe, – wenn dus denn unbedingt hören willst.