ROSMER. Leider, – so grundlos ist es nicht. Die ganze Nacht hab ich drüber nachgegrübelt. Beate hat vielleicht doch richtig gesehn.

REBEKKA. Worin, meinst du?

ROSMER. Richtig gesehn, als sie glaubte, ich liebte dich, Rebekka.

REBEKKA. Darin richtig gesehn!

ROSMER (legt den Hut auf den Tisch). Mir geht unaufhörlich die Frage im Kopf herum, ob wir beiden uns nicht während der ganzen Zeit selber getäuscht haben, als wir unser Verhältnis Freundschaft nannten.

REBEKKA. Meinst du vielleicht, es konnte ebensogut ein –

ROSMER. – Liebesverhältnis genannt werden. Ja, Rebekka, das mein ich. Schon zu Beatens Lebzeiten warst du es, der ich all meine Gedanken gab. Du allein warst es, nach der mich verlangte. Bei dir nur empfand ich diese ruhige frohe wunschlose Glückseligkeit. Wenn wirs richtig bedenken, Rebekka: unser Zusammenleben begann wie eine süße heimliche Kinderverliebtheit. Ohne Verlangen und ohne Träumerei. Sage mir: empfandest du es auch in solcher Weise?

REBEKKA (kämpft mit sich). O, – ich weiß nicht, was ich dir antworten soll.

ROSMER. Und dies innre Leben ineinander und für einander hielten wir für Freundschaft. Nein, Rebekka, – unser Verhältnis war eine geistige Ehe – vielleicht gleich von den ersten Tagen an. Darum hab ich mich mit einer Schuld belastet. Ich hatte kein Recht dazu, – durfte nicht, Beatens wegen.

REBEKKA. Du durftest nicht glücklich sein? Glaubst du das, Rosmer?