»Und weit, fügte er ebenso leise hinzu. Ich höre die Quellen fließen.«
Und er hielt ein im Schreiten.
»Ich höre das Kommen der Nacht .. Wie ein Flug von weißen Vögeln kommt diese Nacht ..«
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Als ich die Augen aufschlug, lag schwere, dunkelgrüne Dämmerung über den golden durchleuchteten Wänden. Das helle Plätschern eines dünnen Brunnenstrahles kam über den bläulich-kühlen Flur, nach dessen Tiefe hin die Türe offen stand, und flüchtiger Rosenduft war in das Atmen des Wassers gesprengt. Die Sirene eines Schiffes durchbrach die heiße Stille .. Tunis .. Radès .. die Villa Achmet Fouads.
Ich richtete mich empor und sah nach der Uhr. Es war um die achte Morgenstunde .. Ich hatte nie so tief, so traumlos tief geschlafen. Meine Glieder waren gelöst, gebadet in wunderbringenden Wassern .. leicht und selig durchrieselt von genossenem Glück.
Kein Ton drang aus der Tiefe des Hauses. Grüne Fliegen summten, ihre kleinen Schatten zuckten über die oberen Kalkwände. Ich begann nachzusinnen .. aber die Bilder in meinem Gedächtnis verwirrten sich. Jahre waren vergangen, viele, heiße, schattenlose Jahre.
Achmet trat auf die Schwelle.
Wir nahmen das Frühstück im Garten des Brunnenhofes. Zitronenfalter flogen über den offenen Blumen, mit jedem Flügelschlag fiel eine Schuppe matten Goldes in das tiefe Blau der Lüfte. Tausend kleine, weiße Flecken tüpfelten den Boden unter den Büschen. Bäche von elfenbeinernen Blüten stürzten aus dem harten Laub der Jasminsträucher. Ich sah zum ersten Mal diesen Garten. Halbträumend trank ich den leichten Tee, wie einer, dem keine Zeit mehr gesetzt ist. Draußen war ja keine Karawane mehr zur Abreise bereit, es warten keine Kamele, die schon gesattelt standen und unruhig die geduldigen Köpfe drehten, keine Beduinen, die kaum die roten Lippen über dem schwarzen Barte zu einem Wort öffneten. Es wartete auch kein Schiff im Hafen .. Der Tag war frei .. zeitlos frei ..
Aber morgen abend lag das Schiff an der schwarzen Mole, und eine Stunde nach Sonnenuntergang trug es mich hinaus durch den Kanal des Bahira-Sees in das offene, nächtige Meer.