Wir ritten .. ritten ..

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Wir ritten .. ritten .. ritten ..

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Gegen Abend erreichten wir die Oase.

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Gebadet und erquickt lagen wir am Rand der Quelle. Braune Kinder spielten um uns. Frauen kamen und füllten die gelben Tonkrüge, die sie auf der Schulter davontrugen. Die Sonne war am Untergehen und schüttete ihr letztes Licht über die breiten Palmenwedel und Olivenwipfel. Dichtes, blühendes Oleandergebüsch säumte den Abhang vor uns, jenseits der Böschung vor uns standen Weizenäcker voll Kornblumen und Klatschrosen. Da mußte ich an das heimatliche Land denken, an das grüne, wellige Land um Pfingsten .. an die Feldwege nach Sonnenuntergang ..

Ganz leise, ganz beruhigt war das Gespräch mit Achmet. Ein Gespräch voll Abend und süßer Traurigkeit. Keine Pläne mehr, kein Rechnen mit Meilen und Stunden: nur das lautlose, wunschlose Übergehen von Wesen zu Wesen. Kein Unterschied des Alters mehr, kein Unterschied der Rassen: was uns irgend trennen konnte, war mit dem lauen Wind verweht, der in den Wipfeln ging. Wir sprachen von unserer Kindheit, von unseren Müttern, von Freunden und von Frauen. Es war alles so ähnlich, die selben Träume, dieselben Bitternisse, dieselben Tröstungen. Nur die großen innern Ziele waren anders gesetzt: weil das Schicksal des Vaterlandes verschieden war. Achmets Liebe zu seinem Volke war ein dunkles, unterirdisches Lodern, das sein ganzes Wesen ergriff und hinriß: eine Liebe voll Fanatismus und Sehnsucht sich zu opfern, tragisch in ihrer Artung und zu jedem tragischen Ende bereit, unklar und grandios. Er sprach von Enver Bey, dem Heldenhaften, der zart und melancholisch war wie eine Frau, ein Brand von Liebe und Schmerz. Da spürte ich zum erstenmal im Rhythmus der Sprache, im Fall der Töne, die ganze Leidenschaft, die dieses tiefe, stille Herz verschloß, die innere, geistige Schönheit, in der die Kraft lag, ein ganzes Leben läuternd zu durchdringen. –

Wir verstummten vor der wachsenden Schönheit des Abends. Fern im Osten hing zum erstenmal die gelbe, scharfgeschnittene Sichel des Mondes an einem Himmel von Kupfer und Grünspan. An den Palmenschäften glänzten wie Buckeln am Schilde die Stümpfe der abgefallenen Blätter, die langsam wiegenden Wedel schlugen das ruhende Gold des Äthers. Wie sich ein helles leichtes Zeltdach niederläßt, ließ sich die Nacht hernieder. Wir gingen Arm in Arm zwischen Ölbaumgärten und gelben Feldern, auf schmalen Lehmwegen. Esel, mit hochgefüllten Gemüse- und Blumenkörben beladen, trabten dem Stalle zu, Kamele schlürften an einer Tränke langsam das Wasser, in einer offnen Türe brannte die rötliche Ampel, in einem Hofe zupfte eine schläfrige Hand die Zither. Schatten füllten die Winkel und Ecken und wehten dem Dunkel der ruhenden Wipfel entgegen. Die Wege verloren sich, leuchteten über fernen, blassen Hügeln noch einmal auf und sanken ganz in Finsternis.

»Wie wird dies alles fremd,« sagte ich leise zu Achmet ..