Zur Erklärung vieler in den vorstehenden Gedichten vorkommender Wörter, und zur Vereinfachung dieses Wortverzeichnisses ist es nur nothwendig auf einige Haupteigenthümlichkeiten oder vielmehr Regeln aufmerksam zu machen, und diese Regeln sind es gerade, welche dem Pennsylvanisch-Deutschen Gleichberechtigung mit den übrigen volksüblichen deutschen Mundarten geltend machen.
Das Pennsylvanisch-Deutsche gehört zu den süddeutschen Mundarten. Der ihm am verwandteste Dialekt ist der pfälzische, oder mehr noch vielleicht die Westricher Abart desselben, und es lässt sich diese Verwandtschaft auf die frühzeitige Einwanderung von Pfälzern nach Ost-Pennsylvanien zurückführen.
Wie alle Dialekte zeigt auch dieser manchfache Eigenthümlichkeiten in verschiedenen Lokalitäten; allein in ihrer Gesammtheit hat die pennsylvanisch-deutsche Mundart gewisse Grundzüge, die überall erkennbar sind und als siegreiches Resultat eines hundertjährigen Ringens der Pfälzer Mundart mit andern süddeutschen, ja sogar mit sächsischen und mährischen Dialekten, und namentlich mit der englischen Sprache, betrachtet werden dürfen.
Die Ansicht, als seien alle Deutsch-Pennsylvanier von rein deutscher Abstammung ist eine sehr irrige. Die Namen schon, mehr noch aber die Stammbäume vieler jetzt ganz deutscher — d. h. pennsylvanisch-deutscher — Familien in den Landdistrikten bekunden eine schottische, irische, schwedische oder französische Herkunft. In manchen Gegenden, wie im Lechathale, hat sich das Deutsche reiner erhalten; in andern Gegenden, wie im Susquehanna Thale und jenseits des Alleghany Gebirges, ist es mehr vermengt mit dem Englischen; überall aber trägt es dieselben Grundzüge, die da sind:
1. Ein Streben nach Vereinfachung und Verschmelzung wo zwei verschiedene Vokale (Diphthonge) oder Consonanten zusammen kommen, wobei sich der stärkere Vokal oder Consonant gewöhnlich verdoppelt; z. B. auch in aach; klein in kleen; Kinder in Kinner; Kopf in Kopp. Dasselbe Streben nach Vereinfachung zeigt sich auch bei den Triphthongen, die zu verwandten Diphthongen werden, wie Gebäude und Geläute in Gebei und Geleit. Erwähnenswerthe Ausnahmen bilden ähnlich lautende Worte mit demselben Diphthong, von denen einer bleibt, der andere verschmilzt, wie Weide (Baum) bleibt Weide; Weide (Grasfeld) wird zu Weed; Laib (Brod) wird Leeb; Leib (Körper) bleibt Leib. Merkwürdig ist der Diphthong oi, der in Hoi, Heu; Roi, Reihe; und Boi (Pie) Kuchen, vorkommt.
2. Das st hat durchschnittlich den Klang des scht. Ausnahmen hiervon bilden nur Worte, die aus dem Englischen acceptirt wurden, und das Wörtchen ist, — das grösstentheils wie das westricher und englische is ausgesprochen wird; denn nur in wenigen Lokalitäten hört man noch das eigentliche Pfälzer oder schwäbische isch.
3. Ueberall ist die Neigung vorherrschend das t in d, b in w, p in b, g in kh und z in s umzuwandeln.
4. Von den eigenthümlichsten Kennzeichen des westricher Dialektes, dem Verwandeln des d und t in r, und dem Verschmelzen des d und t nach l in ll; wie laden in lare, Gewitter in Gewirrer, halten in halle, mild in mill — findet man im Pennsylvanisch-Deutschen kaum eine Spur. Auch ist die Weglassung der Endsylbe en bei weitem nicht so streng; das n geht zwar oft in einen Nasenlaut auf, der hier mit einem (’) Apostrophen bezeichnet wird; manchmal wird es auch ganz fallen gelassen, aber nie das e mit dem n.
5. Auf die Satzbildung hat das Englische einen merklichen Einfluss ausgeübt. Wo in dieser Beziehung gegen die Regeln der hochdeutschen Grammatik verstossen zu werden scheint, da ist es immer eine Vertauschung der englischen Regel für die deutsche, was dem deutschen Ohr die Satzbildung allerdings oft sehr sonderbar erklingen lässt. So z. B.: Hen, scherr der blind Gaul uf; mer welle uf der Markt fahre — (Heinrich, schirre den blinden Gaul auf; wir wollen auf den Markt fahren).