Einerseits war es uns im Gebiet der Architektur und des Kunstgewerbes seit langem nicht mehr möglich, an die Notwendigkeit und Wirklichkeit der Funktionen der verschiedenen Bestandteile, wie: Säulen, Giebel, Metopen und Gesimse ..... zu glauben, die den Stilen des Altertums entlehnt waren. Andererseits konnte uns der Sinn und die Symbolik einer Ornamentik nicht mehr länger überzeugen, welche im Altertum, und sogar in jenen Stilen, die hauptsächlich auf denen des Altertums beruhten, niemals einen anderen Zweck gehabt hatten, als gerade diesen symbolischen Sinn und diese Bedeutung: – Greife, Widder, Girlanden und Trophäen......
So erklärten wir, die wir ehrlich sind, daß wir nicht länger eine Architektur und ein Kunstgewerbe lieben könnten, die nicht einmal mehr zu verbergen suchten, daß sie selbst nicht mehr an die Begriffe der Konstruktion und Ornamentik glaubten, die sie ausschließlich anwandten!
Es entspringt also hier alles Gute und alles Übel; alles Gute, das wir von einer Wiedergeburt der Architektur und des Kunstgewerbes erwarten können, die von nun ab nur noch Elemente, die sie lieben, verwenden, weil sie Glauben zu ihnen haben; und alles Übel, das Übel, das man uns ungerechterweise angetan, indem man uns als Barbaren, welche alles zerstören, als fanatisch beschränkte Aufständige hinstellte.
Man weiß, zu welch entwürdigendem Niedergang, den Glauben verleugnend und ohne Liebe, Fachleute die Architektur und das Kunstgewerbe geführt hatten.
Im dritten Viertel des letzten Jahrhunderts erreichten wir den tiefsten Stand der Erniedrigung in Geschmack und Impotenz.
Meine Generation hat zu Beginn ihres Mannesalters den Druck empfunden, unter Menschen von getrübter Intelligenz leben zu müssen, die mit den organischen Elementen der Architektur spielten, wie Kinder mit Bauklötzen, die Säulen und Bögen, Giebel und Gesimse aufeinandersetzten ohne irgendwelchen Sinn und Grund, und ohne Konsequenzen.
Wir empfinden noch heute mit Grauen, in einem Irrenhaus geweilt und der stumpfsinnigen Beschäftigung der Leute zugeschaut zu haben, deren Gehirn gelähmt war und die eigensinnig, wir nur Irre es sein können, darauf bestanden, auf allem, was ihnen unter die Finger kam, eine Fülle und Überfülle von Verzierungen, Blumen und nackten Frauen anzubringen. Es war das Grauen vor einem solchen Alp, vor solchen Leibern und Blumen, vor einer solchen Kunstrichtung, und die Angst vor einer solchen Zukunft, der auch wir entgegensahen, die uns dazu trieb, Fenster und Türen aufzureißen und nach Vernunft zu schreien, damit sie uns erlöse!
Es fügte sich, daß es unerwartet, neu und revolutionär erschien, nach der Vernunft in einem Augenblick zu rufen, wo man nichts Besseres und Bezeichnenderes von einem Gegenstand, einem Gebäude, zu sagen fand, als daß es so schön sei, daß kein Mensch glauben sollte, daß dieser Gegenstand, sei es ein Tisch, ein Schrank, eine Fruchtschale, eine Blumenvase, eine Suppenschüssel, eben ein Tisch, ein Schrank, eine Schale, eine Vase oder eine Schüssel sei, daß niemand ein Theater für ein wirkliches Theater, einen Bahnhof, eine Brücke als solche erkennen würde.
Heutzutage mag es scheinen, daß alles sich von selbst versteht und daß es sehr überflüssig sei, zu fordern:
»Du sollst diese Form und Konstruktion aller Gegenstände nur im Sinne ihrer strengsten Logik und Daseinsberechtigung erfassen.