»Du sollst diese Formen und Konstruktionen dem wesentlichen Gebrauch des Materials, das du anwendest, anpassen und unterordnen.
»Und wenn dich der Wunsch beseelt, diese Formen und Konstruktionen zu verschönern, so gib dich diesem Verlangen nur insoweit hin, als du das Recht und das wesentliche Aussehen dieser Formen und Konstruktionen achten und beibehalten kannst!«
Und doch hätten diese drei Glaubensartikel, die mehr von einem erneuten Glauben als von einem neuen Glauben handeln, welche jetzt einem neuen Stil, ebenso wie sie früher dem griechischen Stil, dem der Blütezeit, zugrunde lagen, nicht vermocht, die Menschen mit sich fortzureißen, wenn sie nicht die Macht der ganzen Liebe, die unsere Anstrengungen, diesen Glauben aufzuprägen, begleitete, empfunden hätten!
Und welche Liebe? Gerade die, welche auf die Menschen die größte Gewalt ausübt; die, für die Dinge der Natur; die, des Schönheitskultus in den Dingen, welche die Natur nach ihren innersten Gesetzen schuf.
Dies ewige Gesetz der vernunftgemäßen Schönheit haben wir in unserer Verzweiflung und zu unserem Heile angerufen, und in einem Augenblick, wo alles uns zu verlassen drohte, wo zu anderen Zeiten die Menschen niederknieten und das »Credo« unwiderstehlich bekannten, fanden unsere Lippen ein »Amo«, welches seinen Ursprung in der Offenbarung hat, daß ein Band alles, was wir lieben, verbindet und daß alle Schönheit einer Quelle entströmt!
Im April 1912
AMO
Ich liebe die Blumen, die Augen der Erde, die sich bei ihrem Erwachen öffnen, um uns durch ihre Pracht der Erde kindliches Entzücken zu offenbaren; um uns von dem Ernst ihrer schweren, erdrückenden Gedanken, ihrer ungestillten Wünsche zu reden, von der Ironie ihrer Grausamkeit und ihrer unendlichen Süße.