»O, ob er sie braucht!« warf Charlamp ein.
»Hörst du, Andreas, ich bin gesund, mir wird nichts Böses geschehen. Ich weiß ja, du reisest nicht gern ...«
»Ich ginge lieber mit einem Rührlöffel gegen Kanonen,« unterbrach sie Kmiziz.
»Glaubst du nicht, wenn du hierbleibst, es wird dich quälen, so oft du daran denkst: ich habe den Freund in der Not im Stich gelassen, und Gott wird in gerechtem Zorn dir seinen Segen versagen.«
»Du machst mir Angst. Gott, sagst du, wird mir seinen Segen versagen?«
»Das fürchte ich. Ein solcher Freund wie Herr Michael — ist es nicht heilige Pflicht, ihn zu retten?« »Ich liebe Michael von ganzem Herzen — es geschehe. Wenn es denn sein muß, dann gleich, denn hier handelt es sich um jede Stunde. Ich gehe sofort in die Ställe. Beim lebendigen Gott, gibt es denn keinen anderen Rat mehr? Der Teufel hieß die dort nach Kalisch reisen! Nicht um mich bin ich besorgt, aber um dich, mein Geliebtes! Ich wollte lieber ein Vermögen verlieren, als einen Tag ohne dich atmen. Wenn mir jemand sagte, daß ich dich verlasse nicht um des Vaterlandes willen — ich stieße ihm den Griff des Schwertes bis übers Kreuz in den Mund! Pflicht sei es, sagst du, nun denn — es sei! Ein Narr, wer sich lange umsieht. Wäre es nicht für Michael, für einen anderen tät ich es nicht!«
Hier wandte er sich an Charlamp.
»Lieber Freund, komm mit mir in die Ställe, wir wollen die Pferde aussuchen, und du, Olenka, laß mir das Ränzel schnüren; möge jemand von den Laudaern sich der Ernte annehmen. Herr Charlamp, zwei Wochen müßt Ihr schon hier bleiben, um mein Weib zu beschützen; vielleicht findet sich auch hier in der Gegend eine Pacht — nehmt Lubitsch, was!? Komm in den Stall; in einer Stunde geht's ab. Wenn es sein muß, muß es sein!«
Ein gutes Stück noch vor Sonnenuntergang machte sich der Ritter auf den Weg. Seine Gattin verabschiedete sich von ihm mit Tränen und segnete ihn mit einem Kreuze, in welchem Splitter vom heiligen Holz in Gold gefaßt waren. Und da Kmiziz aus alten Zeiten her an plötzlichen Aufbruch gewöhnt war, so eilte er davon, als gelte es die Verfolgung beutebeladener Tataren.
Von Wilna ging's nach Grodno, nach Bialystock, und von da zog er nach Siedlez. Als er durch Lukow kam, erfuhr er, daß die Familie Skrzetuski mit ihren Kindern und mit Herrn Sagloba gerade einen Tag zuvor heimgekehrt sei; er beschloß also, bei ihnen einzukehren, denn mit wem hätte er erfolgreicher über die Rettung Wolodyjowskis beraten können, als mit ihnen?