»Er kann jeden Augenblick eintreffen, jeden Augenblick; vielleicht wird er dir zu Christine zureden.«

Hier unterbrach sich Sagloba, denn es erfaßte ihn plötzlich eine Unruhe.

»Ich bin Michael in bester Absicht gefällig gewesen,« dachte er, »aber weiß der Teufel, vielleicht gegen seinen Willen; sollte aber eine Zwietracht zwischen ihm und Ketling daraus entstehen, so mag Ketling lieber fortgehen.«

Dabei rieb Sagloba seine Glatze mit der Hand.

»Man spricht so dies und das aus aufrichtiger Freundschaft zu dir. Ich habe dich so lieb gewonnen, daß ich dich auf jede mögliche Weise hierhalten wollte; darum habe ich dir Christine wie den Speck aufgestellt ... aber nur aus Freundschaft ... was kümmert mich Alten das ... gewiß nur aus Freundschaft — sonst nichts. Ich beschäftige mich ja nicht mit Ehestiften; wollte ich Ehen stiften, so hätte ich doch mir eine gestiftet ... Gib das Mäulchen, Ketling ... und ärgere dich nicht.«

Ketling schloß Sagloba, der ganz gerührt war, in seine Arme und ließ bald eine Flasche bringen. »Nun will ich zur Feier der Abreise täglich eine solche trinken.«

Und sie tranken. Dann verabschiedete sich Ketling und ging. Der Wein hatte indessen Saglobas Phantasie angeregt; er dachte sehr lebhaft über Bärbchen, über Christine, über Wolodyjowski und über Ketling nach; er verband sie zu Paaren und segnete sie. Endlich wurde ihm nach den Mädchen bange, und er sagte zu sich:

»Nun muß ich hinein, die Weiber besuchen.«

Die Mädchen saßen im Zimmer auf der anderen Seite des Flures und stickten. Sagloba begrüßte sie, ging im Zimmer auf und nieder, indem er die Beine ein wenig nachzog, denn sie folgten ihm nicht mehr wie früher, besonders nach dem Wein. Er blickte immer wieder zu den Mädchen hinüber, die ganz nahe aneinander saßen, so nahe, daß das helle Köpfchen Bärbchens sich fast an das dunkle Christinens anlehnte. Bärbchen sah ihn aufmerksam an, Christine aber stickte so fleißig, daß man kaum ihrer Nadel mit den Augen folgen konnte.