»Hilfe, Rettung! Herr Michael ist fortgeritten, um Ketling zu töten ... Wer an Gott glaubt, eile ihm nach, um ihn aufzuhalten, Hilfe, Rettung!«

»Was ist dir, Mädchen?« rief Sagloba und erfaßte ihre Hände.

»Hilfe, Herr Michael tötet den Ketling! Durch meine Schuld wird Blut fließen, und Christine wird sterben, alles durch meine Schuld!«

»So sprich doch!« schrie Sagloba und schüttelte das Mädchen. »Woher weißt du das, warum durch deine Schuld?«

»Weil ich ihm in der Wut gesagt habe, daß sie sich gern haben, daß Christine um Ketlings willen ins Kloster geht. Wer an Gott glaubt, eile ihm nach, halte ihn auf! Fahrt schnell, fahrt alle, fahren wir alle!«

Sagloba, der nicht gewohnt war, in solchen Fällen Zeit zu versäumen, stürzte nach dem Hofe und befahl, sogleich anzuspannen.

Die Frau Truchseß wollte Bärbchen über die verwunderliche Neuigkeit ausfragen, denn sie hatte bisher auch nicht im entferntesten geahnt, daß zwischen Christine und Ketling eine Neigung bestehe. Bärbchen aber war Sagloba eilig gefolgt, um das Anspannen zu überwachen. Sie half die Pferde aus dem Stall führen, sie an die Deichsel spannen; endlich fuhr sie auf dem Bock mit unbedecktem Kopf vor den Hausflur, in welchem die beiden Männer bereits warteten.

»Steige herunter!« sagte Sagloba zu ihr.

»Ich komme nicht herunter.«

»Herunter, sage ich dir!«