Voller Erstaunen stand Sagloba da, sein weißer Bart zitterte, er öffnete seine Arme weit und sagte:

»Nun brüll' ich los ... Mein kleiner Heiduck, Michael, kommt an meine Brust!«

9. Kapitel.

Er liebte sie über alle Maßen und sie ihn auch, und sie fühlten sich wohl beisammen; nur Kinder hatten sie nicht, obwohl sie das vierte Jahr verheiratet waren. Aber sie wirtschafteten unaufhörlich. Michael hatte mit seinem und Bärbchens Vermögen einige Güter in der Nähe von Kamieniez angekauft, die er billig erstand, denn Leute von furchtsamer Gemütsart hatten aus Angst vor einem türkischen Einfall ihr Besitztum mit Freuden veräußert. In diesen Besitzungen führte er militärische Ordnung und Disziplin ein, er hielt die unruhige Bevölkerung in strenger Zucht, baute die niedergebrannten Hütten wieder auf, gründete »Blockhäuser«, d. h. die befestigten Höfe, in welchen die Truppen als zeitweilige Besatzung lagen, mit einem Wort, wie er früher tüchtig in der Verteidigung des Landes war, so fing er jetzt an, es tüchtig zu bewirtschaften, ohne übrigens das Schwert aus der Hand zu legen. Der Ruhm seines Namens war der beste Schutz seines Besitztums; mit etlichen Mirzen goß er Wasser über den Säbel und schloß Brüderschaft. Andere schlug er; die zügellosen Kosakenhaufen, die lockeren Hordenführer, Räuber aus den Steppen und Bandenführer aus den bessarabischen Wüsten zitterten beim Nennen des »kleinen Falken«, und die Herden seiner Pferde und Schafe, seiner Büffel und Kamele weideten ruhig in der Wüste. Selbst seine Nachbarn wurden geschont, und sein Besitz wuchs dank der Hilfe der tüchtigen Hausfrau. Die Achtung und Liebe der Menschen umgab ihn, das Heimatland schmückte ihn mit einem Amt, der Hetman verehrte ihn, der Pascha von Chozim war sein Freund, in der fernen Krim, in Baktschissaraj nannte man seinen Namen mit Ehrfurcht.

Die Wirtschaft, der Krieg und die Liebe — das waren die drei Parzen seines Lebens.

Der glühende Sommer des Jahres 1671 traf Michael und seine Gattin auf Bärbchens Erbgut Sokol. Dieses Sokol war die Perle unter ihren Besitzungen. Dort nahmen sie mit freigebiger Gastfreundschaft Herrn Sagloba auf, der, weder die Mühe der Reise noch sein hohes Alter achtend, zu Besuch gekommen war und so das Versprechen einlöste, das er auf ihrer Hochzeit gegeben hatte.

Aber die frohen Feste und die Freude über den willkommenen Besuch wurden bald getrübt durch den Befehl des Hetmans, der Michael auftrug, ein Kommando in Chreptiow zu übernehmen, dort die Grenze der Moldau zu bewachen, auf die Gerüchte achtzugeben, die von der Wüste herdrangen, den Kosakenscharen den Weg zu verlegen und die Gegend von den Haidamaken zu säubern.