Der kleine Ritter, der stets bereit war, der Republik seine kriegerischen Dienste zu leisten, ordnete sofort an, daß das Gesinde die Herden und Kamele einbringe und sich selbst kriegsbereit halte.

Aber das Herz blutete ihm bei dem Gedanken, von der Gattin scheiden zu müssen, denn er liebte sie mit der Liebe des Gatten und eines Vaters, so daß er ohne sie nicht atmen konnte; und sie in die wilden, dumpfen Einöden mitzunehmen, sie den mannigfachen Gefahren auszusetzen — das brachte er nicht übers Herz. Sie aber bestand darauf, mit ihm zu gehen.

»Bedenke doch,« sprach sie, »ob es für mich sicherer sein wird, hier zu bleiben, als dort zu sein unter dem Schutze des Heeres, bei dir. Ich will kein anderes Dach als dein Zelt, denn ich bin deine Gattin geworden, um mit dir die Unrast und die Mühe und Gefahren zu teilen. Hier würde mich die Unruhe verzehren, und dort an deiner Seite werde ich mich sicherer fühlen als die Königin in Warschau; und wenn es nötig sein sollte, mit dir ins Feld zu ziehen, so ziehe ich mit. Hier würde ich ohne dich keinen Schlaf finden, keinen Bissen zum Munde führen, und zuletzt würde ich es nicht aushalten und zu dir nach Chreptiow eilen, und wenn du befehlen wirst, mich nicht einzulassen, so werde ich an den Toren übernachten und dich so lange bitten, so lange weinen, bist du dich erbarmst ...«

Da Wolodyjowski diese Liebe sah, faßte er seine Gattin in seine Arme und überschüttete ihr rosiges Gesicht mit Küssen, und sie zahlte ihm Gleiches mit Gleichem.

»Ich würde mich nicht dagegen sträuben,« sagte er endlich, »wenn es sich bloß um einfache Späherdienste und Züge gegen die Kosaken handelte. An Leuten wird es mir nicht fehlen, denn die Fahne des Generals von Podolien geht mit mir, und dann des Herrn Unterkämmerers, außerdem auch Motowidlo mit seinen Leuten, und die Dragoner Linkhausens, an sechshundert Mann, und mit den Troßknechten an die tausend. Aber eines fürchte ich — was die Maulhelden auf dem Reichstag in Warschau nicht glauben wollen, und was wir, die wir an der Grenze wohnen, jede Stunde erwarten: einen großen Krieg mit der ganzen Macht des Sultans. Das hat auch Herr Myslischewski bestätigt, und der Pascha von Chozim wiederholt es täglich, und der Hetman glaubt daran, daß der Sultan den Doroschenko nicht ohne Hilfe lassen, sondern der Republik einen großen Krieg erklären wird, und was beginne ich dann mit dir, mein Teuerstes, mein Liebstes, du mein Lohn, den ich aus der Hand Gottes empfangen habe?«

»Was mit dir geschieht, geschehe auch mit mir; ich will kein anderes Schicksal als das, welches dir zufällt.«

Hier brach Sagloba sein Schweigen und wandte sich an Bärbchen.

»Wenn dich die Türken kriegen, so ist dein Schicksal, ob du willst oder nicht, ein ganz anderes als dasjenige Michaels. Ha, nach den Kosaken, den Schweden, Septentrionären und der brandenburgischen Meute — der Türkenhund! Ich hab's dem Priester Olschowski gesagt: bringt den Doroschenko nicht zur Verzweiflung, denn er ist nur gezwungen zum Türken gegangen. Nun? — sie haben nicht hören wollen. Den Hanenko haben sie dem Dorosch[F] entgegengestellt, und ob Dorosch jetzt will oder nicht, er muß dem Türken in den Rachen rennen und ihn schließlich auf uns hetzen. Erinnerst du dich, Michael, wie ich in deiner Gegenwart den Priester Olschowski gewarnt habe?«

»Ihr müßt das ein andermal getan haben, denn ich erinnere mich nicht, daß es in meiner Gegenwart geschah,« antwortete der kleine Ritter; »aber was Ihr von Doroschenko sprecht, das ist heilige Wahrheit, denn der Hetman ist derselben Meinung; ja, man sagt sogar, er habe Briefe an Dorosch fertig, gerade in diesem Sinne. Es mag dort übrigens sein, wie es will — genug, zum Verhandeln ist's jetzt zu spät. Aber Ihr habt einen so scharfen Verstand, daß ich gern Eure Ansicht höre. Soll ich Bärbchen nach Chreptiow mitnehmen, oder soll ich sie lieber hier lassen? Nur eines muß ich sagen: es ist eine entsetzliche Wüste. Das Nest war immer elend, und seit zwanzig Jahren sind die Kosaken und Tataren so oft hindurchgezogen, daß ich nicht weiß, ob wir dort zwei Bretter übereinander finden. Und Schluchten gibt es dort, Wüsteneien, Verstecke, Höhlen und was sonst an verborgenen Winkeln, in welchen Räuber zu Hunderten sitzen, von denen gar nicht zu reden, die aus der Walachei herüberkommen.«