In der Tat, in manchen Schluchten war es entsetzlich. Es war nicht nur düster, sondern auch stumm; kein Wind wehte, Laub und Zweige rauschten nicht, man hörte nur das Getrappel und Gewieher der Pferde, das Knarren der Wagen und die Rufe, welche die Wagenführer an den gefährlicheren Stellen ausstießen. Von Zeit zu Zeit sangen auch die Tataren oder die Dragoner; aber die Wüste selbst sprach mit keinem menschlichen, mit keinem tierischen Laut.

Während die Schluchten einen finsteren Eindruck machten, öffnete sich das Oberland heiter, selbst da, wo die Wälder sich hinzogen, vor den Augen der Karawane. Das Wetter war herbstlich still, die Sonne stieg die blaue Stufe hinauf, von keinem Wölkchen verfinstert, und ergoß reichlichen Glanz über Felsen, Felder und Wälder. In diesem Glanze erschienen die Fichten rot und goldig, und die Fäden der Spinnenweben, die an den Zweigen der Bäume und an den Gräsern hingen, leuchteten so stark, als seien sie selbst aus Sonnenstrahlen gewoben. Der Oktober war zur Hälfte abgelaufen, daher zogen die Vögel, besonders die für Kälte empfindlicheren, schon aus der Steppe dem Schwarzen Meere zu. Man sah am Himmel Züge von Kranichen, die mit lautem Krächzen dahinzogen, Gänse und Kriekenten.

Hier und da schwebten hoch am blauen Firmament mit weit geöffneten Flügeln, gefahrbringend für die Bewohner der Luft, die Adler; hier und da zogen beutegierige Habichte ihre langsamen Kreise. Aber es fehlte auch nicht an Vögeln, die an der Erde leben und im hohen Grase gern sich bergen, besonders, wo die Felder offen waren. Oft flogen unter den Hufen der Rosse Völker von rostfarbenen Rebhühnern mit Geräusch auf, oft auch sah Bärbchen, wenn auch nur von ferne, Trappen, die auf Wache standen, und bei ihrem Anblick glühten ihre Wangen und leuchteten ihre Augen.

»Die wollen wir mit Windhunden hetzen, wenn wir bei Michael sind!« rief sie, in die Hände klatschend.

»Wenn dein Mann ein Stubenhocker wäre,« sagte Sagloba, »so würde ihm der Bart bei einer solchen Frau bald grau werden, aber ich habe schon gewußt, wem ich dich geben soll. Eine andere wäre wenigstens dankbar, he?«

Bärbchen küßte Sagloba auf beide Wangen, so daß er gerührt sagte:

»Im Alter sind liebende Herzen dem Menschen so angenehm wie eine warme Ofenecke.«

Dann hielt er einen Augenblick inne und fügte hinzu:

»Seltsam, wie ich die Weiber das ganze Leben geliebt habe, und wenn ich so sagen soll warum, so weiß ich's selber nicht, denn die Teufelinnen sind leichtsinnig und untreu ... Aber weil sie schwach sind wie die Kinder, so läuft einem das Herz bald über vor Mitleid, wenn einer ein Unrecht geschieht. Umarme mich noch, wie?«

Bärbchen hätte gern die ganze Welt umarmt, darum kam sie Saglobas Wunsche gleich nach, und sie setzten ihren Weg in der trefflichsten Laune fort. Sie fuhren sehr langsam, denn die Rinder, die hinterdrein gingen, konnten nicht schneller nachkommen, und es war gefährlich, sie unter geringer Bewachung in diesen Wäldern zu lassen. Je näher sie Uschyz kamen, desto unebener wurde das Land, desto öder die Wüste, desto tiefer die Schluchten. Bald erlitten die Wagen einen Schaden, bald wurden die Pferde störrisch, und dadurch entstanden größere Verzögerungen. Die alte Heerstraße, die einst nach Mohylow geführt hatte, war seit zwanzig Jahren mit Wald bewachsen, so daß man kaum noch ihre Spuren sah. So mußte man die Wege gehen, welche die früheren und die letzten Heereszüge genommen hatten, häufig genug verschlungene und zugleich sehr schwierige Wege; es ging auch nicht ganz ohne Unglück ab.