Asya ritt an der Spitze der Lipker, sein Pferd verstrickte sich am Abhang der Schluchten und stürzte in den steinigen Grund, nicht ohne Schaden für den Reiter, der eine so schwere Verwundung des oberen Teiles des Kopfes erlitt, daß er eine Zeitlang das Bewußtsein verlor. Bärbchen und Sagloba bestiegen sogleich die Leitpferde, den Tataren ließ die junge Frau Kommandantin in den Wagen legen und vorsichtig fahren. Von jetzt ab ließ sie bei jeder Quelle den Zug Halt machen und verband ihm mit eigenen Händen den Kopf, indem sie Linnenstücke in kaltem Quellwasser anfeuchtete. Er lag eine Zeitlang mit geschlossenen Augen da, endlich öffnete er sie, und als das über ihn geneigte Bärbchen anfing, ihn auszufragen, wie es ihm gehe, ergriff er, statt Antwort zu geben, ihre Hand und drückte sie an seine bleichen Lippen.

Nach einer Weile erst, als müsse er seine Gedanken und sein Bewußtsein wieder sammeln, antwortete er: »O gut, wie nie zuvor!«

So ging ihnen der ganze Tag hin. Die Sonne neigte und rötete sich und senkte sich in mächtiger Kugel auf die moldauische Seite hinüber; der Dniestr begann zu leuchten wie ein feuriges Band, und von Osten her, von den wilden Feldern, stieg langsam die Dämmerung herauf.

Chreptiow war nicht mehr allzuweit, aber man mußte den Pferden Rast gönnen; darum wurde ein längerer Halt gemacht.

Der eine und der andere Dragoner begann die Hora zu singen; die Lipker stiegen von den Pferden, breiteten ihre Schlafvließe auf dem Boden aus und beteten knieend, die Gesichter nach Osten gewendet. Ihre Stimmen klangen bald laut, bald leise; Allah — Allah! ertönte es manchmal kräftig durch die langen Reihen, dann wurden sie wieder still, erhoben sich, hielten die Hände, umgewandt nach oben gerichtet, am Gesicht, harrten in gesammelter Andacht aus und wiederholten dabei von Zeit zu Zeit schlaftrunken, gleichsam seufzend: »Lohitschmen, ach, lohitschmen!« — Die Sonnenstrahlen, die sie beleuchteten, wurden immer röter; es erhob sich ein Wind von Westen her, und mit ihm ein lautes Rauschen von den Bäumen, als wollten auch sie vor Eintritt der Nacht den verehren, der an dem dunklen Himmel die tausend Sterne heraufführt. Bärbchen sah mit großer Neugier dem Gebet der Lipker zu; aber ihr Herz krampfte sich zusammen bei dem Gedanken, daß so viele gute Menschen nach einem Leben voll Mühsal mit dem Tode in das höllische Feuer gelangen sollten, und das um so mehr, als sie, täglich mit Menschen zusammentreffend, welche den wahren Glauben bekannten, doch freiwillig in ihrem Unglauben verharrten.

Sagloba, der mit diesen Dingen mehr vertraut war, zuckte nur die Achseln bei Bärbchens frommen Bemerkungen und sagte:

»Man würde sowieso diese Ziegensöhne in den Himmel nicht einlassen, damit sie nicht Ungeziefer mit hineinbringen.«

Dann zog er mit Hilfe eines Knechtes ein weich gefüttertes Röckchen an, welches ihn gegen die Abendkälte schützte, und befahl loszurücken. Aber kaum hatte der Zug sich in Bewegung gesetzt, als auf der gegenüberliegenden Anhöhe fünf Reiter sichtbar wurden.

Die Lipker traten sofort auseinander.