Sagloba jagte am liebsten mit Falken, von welchen einige Paare, ganz ausgezeichnete, sich im Besitz der Offiziere befanden.
Bärbchen leistete ihm Gesellschaft, und hinter ihnen drein sandte Michael im geheimen eine Anzahl von Leuten, die ihr Hilfe bringen sollten bei Zufällen, denn obwohl man in Chreptiow immer wußte, was auf zwanzig Meilen ringsumher in der Wüste vorging, wollte Michael doch nicht alle Vorsicht außer acht lassen.
Die Soldaten gewannen Bärbchen mit jedem Tage lieber. Sie kümmerte sich um ihr Essen und Trinken, sie sah nach den Kranken und Verwundeten. Selbst der düstere Asya, der beständig am Kopfe litt, und dessen Herz härter und wilder war als das der anderen, heiterte sich bei ihrem Anblick auf. Die alten Soldaten vergingen vor Freude über ihre große Kenntnis soldatischer Dinge.
»Wenn der kleine Falke uns fehlen sollte,« sagten sie, »könnte sie das Kommando übernehmen, und es würde uns nicht leid sein, unter einem solchen Regimente den Tod zu finden.«
Es kam auch vor, daß, wenn während Michaels Abwesenheit im Dienst etwas versehen wurde, Bärbchen die Soldaten schalt. Und der Respekt vor ihr war groß. Eine Rüge aus ihrem Munde ging den Grenzsoldaten mehr zu Herzen als die Strafen, die Michael nicht selten wegen Vergehen gegen die Disziplin verhängte.
Es herrschte immer große Zucht im Kommando, denn Michael, in der Schule des Fürsten Jeremias aufgewachsen, verstand die Soldaten mit eiserner Hand zu regieren; aber Bärbchens Anwesenheit milderte noch ein wenig die alten Sitten. Jedermann bemühte sich, ihr zu gefallen, jeder war besorgt um ihre Ruhe. Darum hütete man sich vor allem, was diesen Frieden trüben konnte.
In der leichten Fahne Mikolaj Potozkis gab es eine Anzahl von Offizieren, Männer, die weit herumgekommen waren, und von höfischen Rittern, die, obgleich sie in den ununterbrochenen Kriegen und Abenteuern verwildert waren, doch eine besonders artige Gesellschaft ausmachten. Diese und Offiziere von anderen Fahnen brachten häufig die Abende bei dem Kommandanten zu, wo dann aus alten Zeiten und Kriegszügen erzählt wurde, an denen sie selbst teilgenommen hatten. Den ersten Platz unter ihnen nahm Sagloba ein; er war der älteste, hatte am meisten gesehen, und selbst viel vollbracht; aber wenn er nach dem ersten und zweiten Gläschen in dem bequemen saffianbeschlagenen Bänkchen eingeschlummert war, das man besonders für ihn hergestellt hatte, dann nahmen auch die anderen das Wort, und sie hatten was zu erzählen, denn es gab unter ihnen solche, die Schweden und Moskowien besucht hatten; es gab solche, die die jungen Jahre in der Sitsch noch vor dem großen Aufstand verlebt hatten. Es waren auch solche da, die in der Krim als Sklaven Schafe gehütet, die in Baktschissaraj in der Sklaverei Brunnen gegraben, die Kleinasien besucht hatten, die im Archipel auf türkischen Galeeren gerudert, die in Jerusalem vor dem heiligen Grabe das Knie gebeugt hatten, die alle möglichen Abenteuer und alles denkbare Elend durchgemacht hatten und doch noch heimgekehrt waren zur Fahne, um bis an das Ende ihres Lebens, bis zum letzten Atemzuge, die blutüberströmten Grenzländer zu verteidigen.
Als im November die Abende länger wurden und in der Steppe Frieden herrschte, weil die Gräser welk geworden waren, versammelte man sich Tag für Tag im Hause des Kommandanten. Da kam Herr Motowidlo, Ruthene von Geburt, hager wie ein Stock, und lang wie eine Lanze, nicht mehr jung, seit zwanzig Jahren auf dem Schlachtfelde. Da kam Herr Deyma, der Bruder jenes Deyma, der Herrn Ubysch erschlagen hatte; mit ihnen kam Herr Muschalski, vor Zeiten ein wohlhabender Mann, der in jungen Jahren verwundet in die Gefangenschaft geschleppt worden, auf türkischen Galeeren gerudert, dann aus der Sklaverei entfloh, seinen Besitz fahren ließ und mit dem Schwerte in der Hand die ihm angetane Unbill an den Muhamedanern gerächt hatte. Er war ein unvergleichlicher Bogenschütze, der eine Mütze im Fluge durchbohrte. Es kam ferner Herr Wilga und Herr Nienaschyniez, tüchtige Krieger, Herr Hromyka, Herr Bawdynowitsch und viele andere. Wenn die zu erzählen begannen und ihnen die Worte reichlich strömten, so spiegelte sich in ihren Erzählungen jene ganze Welt des Orients wieder, Baktschissaraj und Stambul, die Minarets und die Tempel des falschen Propheten, die bläulichen Wogen des Bosporus, die Fontänen und der Hof des Sultans, das Menschengetümmel in der steinernen Stadt und die Heere, die Janitscharen und Derwische, die ganze entsetzliche und in Regenbogenfarben schillernde Heuschreckenschar, gegen welche die Republik die reußischen Kirchen und mit ihnen alle Kreuze und Kirchen in ganz Europa mit blutiger Brust zu schützen hatte.
Die alten Soldaten setzten sich in der Runde in dem geräumigen Zimmer nieder, wie eine Schar von Störchen, die vom Fluge ermüdet auf einer Anhöhe in der Steppe mit lautem Geklapper sich niederläßt. Im Kamin brannten harzige Kloben, die ihren hellen Glanz über das ganze Zimmer warfen. Moldauer Wein wurde auf Bärbchens Geheiß am Feuer gewärmt, und die Knappen schöpften ihn in zinnerne Gefäße und reichten ihn den Rittern. Von außerhalb hörte man den Anruf; die Heimchen, über die sich Michael beklagt hatte, zirpten im Zimmer; manchmal pfiff in den Sparren, die mit Moos gefüllt waren, der Novemberwind, der von Norden her blies und immer kälter wurde. An solchen Winterabenden war es am schönsten, in dem heimlichen, hellen Zimmer zu sitzen und den Erzählungen der Ritter zu lauschen.
An einem solchen Abend erzählte einmal Herr Muschalski das Folgende: