»Der Allmächtige schütze die ganze Republik, uns alle, und unter uns besonders die hier anwesende würdige Gemahlin unseres Kommandanten, deren Glanz zu schauen unsere Augen kaum würdig sind. Ich will nicht in einen Wettstreit mit Herrn Sagloba eintreten, dessen Abenteuer Dido selber und ihre anmutigen Frauen in die größte Verwunderung versetzen könnten, — aber, da ihr selbst, werte Herrschaften, begehrt, meinen Lebenslauf zu hören, so will ich nicht zögern, um den werten Genossen nicht nahezutreten.

In der Jugend erbte ich in der Ukraine, nicht weit von Taraschtsch, ein bedeutendes Besitztum; ich hatte auch zwei Dörfchen, ein Erbteil der Mutter in ruhigen Landen, nicht weit von Jaslow; aber ich zog es vor, in Vaters Teil zu residieren, weil die Horden näher und die Abenteuer leichter waren. Mein Rittersinn zog mich nach der Sitsch; aber dort gab es nichts mehr für uns. Doch ging ich in die wilden Felder in Gemeinschaft unruhiger Geister und genoß wahrhafte Wonnen. Ich fühlte mich wohl in meinem Besitz; nur eins quälte mich: ich hatte einen schlechten Nachbar. Er war ein gewöhnlicher Bauer aus Bialazerkiew. In seiner Jugend war er in der Sitsch gewesen, hatte dort den Rang eines Atamans erlangt und ging als Abgeordneter der Stämme nach Warschau, wo er auch geadelt wurde. Er hieß Dydiuk. Und ihr müßt wissen, meine Herrschaften, daß wir uns von einem Heerführer der Samniter herleiten, der Muska hieß, was in unserer Sprache »Fliege« bedeutet. Jener Muska kam nach unglücklichen Zügen gegen die Römer an den Hof Siemowits, des Sohnes des Piasten. Dieser nannte ihn zur größeren Bequemlichkeit Muskalski, was die Nachkommen später in Muschalski umwandelten. Von so alter Abstammung und so adligem Blute, sah ich mit großer Verachtung auf jenen Dydiuk herab. Hätte der Kerl die Ehre, die ihn getroffen hatte, zu schätzen gewußt, und die hohe Vortrefflichkeit des Adels über alle anderen Stämme anerkannt, dann hätte ich vielleicht nichts gesagt; aber er, der als Adliger seinen Besitz hatte, spottete noch über seine Würde und sagte häufig: »Ist mein Schatten jetzt größer? Ein Kosak war ich, und ein Kosak bleibe ich, und der Adel und alle Lechenhunde — können mich ...« — ich kann euch das nicht sagen, meine Herrschaften, was er an dieser Stelle für häßliche Gebärden machte, denn die Anwesenheit der gnädigen Frau erlaubt mir das nicht, aber mich packte eine wilde Wut, und ich fing an, ihm zuzusetzen. Er fürchtete sich nicht, er war mutig und zahlte mir heim; er hätte sich auf Säbel geschlagen, aber das wollte ich nicht, da ich seine niedrige Herkunft im Auge hatte.

Ich haßte ihn wie die Pest, und auch er verfolgte mich mit Haß. Einmal schoß er auf mich auf dem Markte in Taraschtsch; um ein Haar hätte er mich getötet, und ich ihm mit dem Beile den Kopf gespalten. Zweimal überfiel ich ihn mit ritterlichen Leuten, zweimal er mich mit dem Kosakenpack; er konnte mir nichts anhaben, aber auch ich konnte mit ihm nicht fertig werden. Ich wollte das Gesetz gegen ihn anrufen — bah, Gesetz in der Ukraine, in der noch die Trümmer der Städte dampfen. Wer da das Gesindel zusammenruft, braucht nach der ganzen Republik nicht zu fragen. So tat er und lästerte noch dazu gegen die gemeinsame Mutter, uneingedenk dessen, daß sie es war, die ihn in den Adelsstand erhoben, ihn dadurch an ihre Brust gezogen, ihm Privilegien gegeben, durch welche er Land besaß und diese übermäßige Freiheit, die er unter keiner anderen Herrschaft genossen hätte. Hätten wir uns in nachbarlicher Weise treffen können, so hätte es mir gewiß nicht an Argumenten gefehlt, aber wir sahen uns nicht anders, als mit der Flinte in der einen und mit der Klinge in der anderen Hand. Der Haß wuchs in mir mit jedem Tage, bis ich förmlich gelb wurde; immer und immer dachte ich nur daran, wie ich ihm beikommen könne. Ich fühlte, daß der Haß eine Sünde sei, ich wollte ihm daher nur zuerst wegen der Beschimpfung des Adels mit Stöcken das Fell gerben und dann ihm alle Sünden verzeihen und, wie einem rechten Christenmenschen geziemt, ihn einfach erschießen lassen. Aber Gott hat es anders gefügt.

Ich hatte hinter dem Dorfe einen hübschen Bienengarten, und einmal ging ich hin, ihn anzusehen. Es war gegen Abend. Ich hatte kaum zehn Paternoster lang dort zugebracht, als ein Geschrei zu meinen Ohren drang. Ich sehe mich um — da lagert Rauch wie eine Wolke über dem Dorfe. Gleich darauf kommen Menschen gelaufen. »Die Horde, die Horde!« und hinter den Menschen — ein unabsehbarer Haufen, sage ich euch. Pfeile kommen geflogen, wie der Regen vom Himmel fällt; wo ich hinblicke, Schafsfelle und die teuflischen Fratzen der Horde. Ich auf mein Pferd, — ehe ich noch mit dem Fuß den Steigbügel berühre, haben mich schon fünf oder sechs Schlingen gefangen. Ich zerriß sie zwar — ich war stark ... wie Herkules ... Drei Monate später befand ich mich hinter Baktschissaraj in einem tatarischen Dörfchen, Suhaidzig genannt, und saß mit anderen gefangen.

Mein Herr hieß Salma-Bey, ein reicher Tatar, aber unmenschlich und gegen seine Sklaven grausam. Wir mußten unter Schlägen Brunnen graben und auf dem Felde arbeiten. Ich wollte mich loskaufen, ich hatte es ja dazu. Durch einen Armenier schickte ich Briefe nach meinen Gütern bei Jaslow. Ich weiß nicht, ob meine Briefe nicht ankamen, ob das Lösegeld unterwegs geraubt wurde — genug, es traf nicht ein. Ich wurde nach Konstantinopel gebracht und auf die Galeeren verkauft.

Ich könnte viel von dieser Stadt erzählen; ich weiß nicht, ob es eine größere und schönere Welt gibt. Menschen gibt es dort wie Gras in der Steppe oder wie Steine im Dniestr ... und die Riesenmauern an den Moscheen, Turm an Turm!

In der ganzen Stadt laufen die Hunde herum, den Menschen zwischen die Beine, da die Türken ihnen kein Leids zufügen, offenbar darum, weil sie sich verwandt mit ihnen fühlen, diese Hundebrüder ... Es gibt keine anderen Stände bei ihnen als Herren und Sklaven, und es gibt keine schlimmere Sklaverei als bei den Heiden. Gott weiß, ob es wahr ist, aber auf den Galeeren habe ich gehört, daß die dortigen Gewässer, der Bosporus und das Goldene Horn, das tief in die Stadt hineingeht, aus den Tränen der Sklaven entstanden sind; auch ich habe nicht wenige dort vergossen ...

Furchtbar ist die Macht der Türken, und keinem Potentaten sind so viele Könige untertan wie dem Sultan. Die Türken selbst aber sagen, wenn Lechistan nicht wäre — so nannten sie unser Mutterland — so wären sie längst die Herren der ganzen Erde. Im Rücken der Lechen, so sagen sie, lebt der Rest der Welt in der Lüge, denn jener, sagen sie, liegt wie der Hund vor dem Kreuze und beißt uns in die Hände, und sie haben recht, denn so war es, und so ist es. Und wir hier in Chreptiow und die weiteren Kommandos in Mohylow, in Jampol, in Raschkow — was tun wir anderes? Es gibt viel Schlimmes in unserer Republik, aber das denke ich doch, daß uns diese Leistung Gott dereinst anrechnet!

Aber ich komme zurück auf mein Abenteuer. Die Sklaven, welche auf dem Lande, in den Städten und Dörfern leben, seufzen nicht unter so schwerer Bedrückung wie die, welche auf den Galeeren rudern müssen, denn die Galeerensklaven, die einmal am Rande des Schiffes an das Ruder geschmiedet sind, werden nie befreit, weder Nacht noch Tag, noch an Festtagen, sondern müssen bis zum Tode in Ketten leben. Und geht ein Schiff unter in pugna-navali, so müssen sie mit ihm untergehen. Alle sind nackt, die Kälte quält sie, der Regen näßt sie, der Hunger peinigt sie, und gegen all dies gibt's kein anderes Mittel als Tränen und entsetzliche Arbeit; denn die Ruder sind so groß und schwer, daß zwei Menschen zur Bedienung eines nötig sind.

Mich hatte man in der Nacht hingebracht und angeschmiedet und hatte mich einem Genossen meines Leides gegenübergesetzt, den ich in der Finsternis nicht erkennen konnte. Als ich die Hammerschläge und das Klirren der Ketten hörte — lieber Gott, da war mir, als schlüge man die Nägel in meinen Sarg, obgleich ich das vorgezogen hätte. Ich betete, aber die Hoffnung in meinem Herzen war wie vom Winde hinweggeweht ... Meine Seufzer brachten die Kawassen durch Prügel zum Schweigen; ich saß also stumm die ganze Nacht hindurch, bis der Morgen dämmerte ... Da blickte ich hin auf den, der mit mir an einem Ruder sitzt — Jesus Christus — ratet, meine Herrschaften, wer mir gegenüber saß, — Dydiuk!