»Meine Herren,« sagte der kleine Ritter schnell, »wir haben vielleicht diesem Ritter durch allzu frühen Verdacht unrecht getan, denn wenn er diese Briefe hat und die Wahrheit spricht — und ich fange an zu glauben, daß es so ist — so ist er nicht nur ein Ritter, den Kriegstaten berühmt gemacht haben, sondern auch ein Mann, dem das Wohl des Vaterlandes am Herzen liegt, und der Belohnung und nicht Mißtrauen verdient. Bei Gott, wir werden das bald gutmachen müssen.«
Die anderen waren in Schweigen versunken und wußten nicht, was sie sagen sollten; Sagloba aber hielt die Augen geschlossen und tat diesmal so, als schlummere er.
Inzwischen war Asya zurückgekommen und reichte Wolodyjowski Boguschs Brief.
Der kleine Ritter las:
»Von allen Seiten höre ich, daß es niemand gibt, der zu diesem Dienst tauglicher wäre als Du, wegen der wunderbaren Liebe, mit der sie alle an Dir hängen. Der Herr Hetman ist bereit, ihnen zu verzeihen, und nimmt die Verzeihung der Republik auf sich. Setze Dich so schnell wie möglich mit Krytschynski in Verbindung durch sichere Männer und versprich ihm eine Belohnung; das Geheimnis wahre sorgfältig, denn bei Gott, Du könntest sie alle zugrunde richten. Herrn Wolodyjowski kannst Du das Geheimnis aufdecken, denn er ist Dein Vorgesetzter und kann Dir vieles erleichtern. Scheue Schwierigkeiten und Mühen nicht, und denke daran: der Erfolg krönt das Werk. Sei überzeugt, daß für Deine Zuneigung unser Mutterland Dir mit gleicher Liebe lohnt.«
»Das nenne ich lohnen!« murmelte düster der junge Tatar.
»Bei Gott, warum hast du niemand ein Wort davon gesagt?« rief Wolodyjowski.
»Ew. Liebden wollt' ich alles sagen, aber ich hatte noch keine Gelegenheit, da ich nach jenem Unfall krank lag. Vor den Herren,« hier wandte sich Asya zu den Offizieren, »war mir Geheimnis anbefohlen, und diesen Befehl, zu schweigen, wollen Ew. Liebden jetzt wiederum den Herren aufs ernsteste geben, um jene dort nicht ins Verderben zu stürzen.«
»Die Beweise deiner Tugend sind so offenbar, daß auch ein Blinder sie nicht ableugnen könnte,« sagte der kleine Ritter. »Führe das Werk mit Krytschynski weiter, du sollst kein Hindernis finden, vielmehr Hilfe, worauf ich dir meine Hand gebe, als einem braven Rittersmann. Komme heute zur Abendmahlzeit zu mir.«
Asya drückte die Hand, die ihm Herr Michael reichte, und verneigte sich zum dritten Male. Auch die anderen Offiziere kamen zu ihm heran und sagten: »Wir haben uns in dir getäuscht, aber niemand, der die Tugend liebt, wird dir jetzt den Händedruck versagen.«