Herr Michael widersprach dem nicht, denn Sagloba hatte ihm seine Zustimmung abgerungen. Überdies wußte er auch, daß er doch einmal Bärbchens Willen werde Genüge tun müssen, er zog also vor, es bald zu tun, um so mehr, als diese Freibeuter Bogen und Feuergewehr nicht zu gebrauchen pflegten.

Sie brachen aber erst drei Stunden nach dem Auszug der ersten Fahne auf, denn so hatte Michael es angeordnet. Mit ihnen ging Herr Muschalski und zwanzig Linkhausensche Dragoner nebst dem Wachtmeister, alles Masuren, ausgezeichnete Leute, hinter deren Säbel die anmutige Kommandantin so sicher war wie in ihrem Ehezimmer.

Sie selbst war, da sie auf einem Männersattel reiten sollte, entsprechend gekleidet. Sie trug perlfarbige, sammetne und weite Pluderhöschen, die einem Unterrock glichen und in gelben Saffianstiefelchen steckten, ferner einen Überrock von ebenfalls grauer Farbe mit weißem Krimmer gefüttert und an den Nähten schön besetzt, dann eine silberne Patronentasche von vorzüglicher Arbeit, ein leichtes, türkisches Säbelchen an seidenen Schnüren, und Pistolen im Holster. Ihr Kopf steckte in einem kleinen Kalpak, oben von venetianischem Sammet, mit einer Reiherfeder geschmückt und ringsum mit wilder Katze besetzt. Unter dem Kalpak sah ihr helles, rosiges, fast kindliches Gesichtchen und ihre zwei neugierigen Augen, die wie glühende Kohlen leuchteten, hervor.

In dieser seltsamen Tracht, auf dem kleinen, schnellen und gleich einem Reh zahmen Pferdchen, schien sie ein Hetmanskind zu sein, das unter dem Schutze alter Krieger zum ersten Unterricht ausreitet. Sie bewunderten auch ihre Gestalt; Sagloba und Muschalski stießen einander mit den Ellbogen und küßten jeder seine Faust zum Zeichen besonderer Verehrung für Bärbchen. Beide beschwichtigten ihre Sorge um den verspäteten Aufbruch.

»Du verstehst den Krieg nicht,« sagte der kleine Ritter, »darum verdächtigst du uns, daß wir dich erst, wenn alles vorbei ist, an Ort und Stelle bringen wollen. Die einen Fahnen gehen wie ein Pfeilschuß, die anderen müssen Umwege machen, um die Stege abzuschneiden, und werden sich dann erst ganz leise vereinigen und den Feind umzingeln. Wir aber kommen zur rechten Zeit, und ohne uns wird nichts begonnen, denn jede Stunde dort ist berechnet.«

»Und wenn der Feind zur rechten Zeit aufmerksam wird und zwischen den Fahnen hindurchhuscht?«

»Schlau ist er und wachsam, aber auch uns ist ein solcher Krieg nicht neu.«

»Dem Michael kannst du glauben,« rief Sagloba, »denn es gibt keinen größeren Praktiker als ihn. Ein böser Stern hat dieses Lumpengesindel hierhergeführt.«

»In Lubnie war ich noch jung,« antwortete Michael, »und schon dort hat man mir ähnliche Funktionen aufgetragen; jetzt aber habe ich, um dir dies Schauspiel zu bieten, alles noch sorgfältiger disponiert. Die Fahnen werden sich dem Feinde gleichzeitig zeigen, gleichzeitig losschreien und gleichzeitig vorrücken — wie wenn man mit der Peitsche knallt.«