»Gut,« sagte Michael, »das weiß ich; mach' dich auf zu Herrn Motowidlo und befiehl, den Ring zu schließen; die einzelnen Leute soll er bis auf den halben Weg von Herrn Mellechowitsch zerstreuen. Sitz' auf!«

Der Mann legte sich fast auf seine Satteldecke und stob dahin, daß dem Pferde die Milz schwoll. Im Nu war er aus dem Gesichtskreis.

Sie aber ritten weiter, noch stiller, noch vorsichtiger. Inzwischen war es vollkommen Tag geworden. Der Nebel, der sich bei Tagesanbruch vom Boden erhoben hatte, war ganz gesunken, und am östlichen Horizont zeigte sich ein langer, heller Streifen, dessen leuchtender, rosiger Glanz Luft, Berge, die Abhänge ferner Schluchten und Gipfel färbte. Da schlug an die Ohren der Reiter von der Dniestr-Seite her wirres Gekrächz, und in der Höhe vor ihnen zeigte sich eine ungeheure Schar von Raben, die dem Morgenrot zuflogen. Einzelne Vögel lösten sich von Zeit zu Zeit von der Hauptmasse los und flogen über die Steppe in weitem Kreise herum, wie es die Dohlen und Habichte machen, wenn sie Beute erspähen.

Sagloba hob den Säbel in die Höhe, zeigte auf die Raben und sagte zu Bärbchen:

»Bewundere die Klugheit dieser Vögel. Wenn es irgendwo zu einer Schlacht kommt, so ziehen sie bald von allen Seiten heran, als wenn sie jemand aus einem Sacke schüttete. Wenn nur ein Heer marschiert oder Freundesheere sich treffen sollen, ist das nicht der Fall; so können diese Tiere die Absichten der Menschen erraten, wenn sie ihnen auch niemand kundtut. Der bloße Geruchssinn erklärt das nicht, deshalb hat man alle Ursache, sich höchlichst darüber zu verwundern.«

Mittlerweile waren die Vögel unter immer lauterem Krächzen näher herangekommen, und Herr Muschalski wandte sich zu dem kleinen Ritter und sagte, indem er mit der flachen Hand auf seinen Bogen schlug:

»Herr Kommandant, ist es gestattet, einen davon zur Freude der Frau Kommandantin herunterzuholen? Lärm wird es nicht machen.«

»Holt ihn herunter, holt auch zwei herunter,« sagte Herr Michael, denn er wußte, wie gern sich der alte Soldat wegen der Sicherheit seiner Geschosse bewundern ließ.

Da griff der unvergleichliche Bogenschütze nach dem Rücken, zog einen befiederten Pfeil hervor, legte ihn auf die Sehne, hob Bogen und Kopf empor und wartete.

Die Schar kam immer näher. Alle hielten die Pferde an und blickten erwartungsvoll in die Höhe. Plötzlich erklang der klagende Ton der Sehne wie das Zwitschern der Schwalbe; der Pfeil flog auf und verschwand in der Schar.