Und die unten jagten dahin wie Hasen, denen die Hunde auf den Fersen sind. Schon sind sie nur eine halbe Hufe von dem Gestrüpp entfernt, schon sieht man die langgestreckten Pferdeköpfe mit den herabhängenden Ohren, und über ihnen die Gesichter der Tataren wie an die Mähne festgewachsen. Immer näher, immer näher kommen sie. Man hört das Schnaufen der Tiere, deren klaffende Gebisse und hervorquellende Augen bezeugen, daß sie so schnellen Laufes herankommen, daß ihnen der Atem stockt ... Wolodyjowski gibt ein Zeichen, und ein Zaun von Gewehrläufen starrt den Heraneilenden entgegen.

»Feuer!«

Ein Geknatter, eine Rauchwolke — wie ein Sturmwind in einen Haufen Spreu fährt, so fuhr es in die Horde. Augenblicklich sprengte die Bande kreischend und brüllend nach allen Seiten. Da kommt der kleine Ritter aus dem Dickicht hervor, und gleichzeitig treiben die Fahnen des Kämmerers und die Lipker, den Kreis abschließend, die Zerstreuten wiederum zu einem Haufen in der Mitte zusammen. Vergeblich suchen die Tataren ihre Zuflucht im Einzelkampf, vergeblich wenden sie sich hin und her, fliehen sie nach rechts, nach links, nach vorwärts, nach rückwärts — der Kreis ist schon geschlossen. Darum drängen sich auch die Haufen immer enger aneinander; inzwischen kommen die Fahnen heran, und es beginnt ein entsetzliches Handgemenge.

Die Freibeuter hatten begriffen, daß nur der lebendig aus diesem Ringe herauskommen könne, der sich durchschlug. Und so begannen sie, wenn auch ohne Ordnung und ein jeder auf eigene Faust, sich verzweifelt und rasend zur Wehr zu setzen. Und sie bedeckten gleich zu Beginn in dichter Zahl das Feld, so groß war die Wucht des Angriffs gewesen. Die Soldaten rückten auf sie ein und drängten trotz der Enge ihre Pferde vorwärts, hieben und stachen mit jener unerbittlichen, gräßlichen Geschicklichkeit, die nur dem Soldaten eigen sein kann, dem der Krieg zum Handwerk geworden ist. Der Widerhall der Schläge ertönte über diesem Wirrwarr von Menschen wie das Echo der Dreschflegel, die schnell und haufenweise gegen die Tenne schlagen. Man schlug sie, man hieb sie über die Köpfe, über die Nacken, über die Schultern, über die Hände, mit welchen sie ihre Köpfe bedeckten, man bedrängte sie von allen Seiten ohne Unterbrechung, ohne Mitleid und Erbarmen. Auch sie begannen um sich zu schlagen, womit sie konnten, mit Handscharen, Säbeln, dieser mit Wurfkugeln, der andere mit einem Pferdekinnbacken.

Ihre Pferde waren in die Mitte zusammengedrängt und bäumten sich oder stürzten hintenüber; andere rannten beißend und quiekend im Getümmel umher und riefen eine unbeschreibliche Verwirrung hervor. Nach einem kurzen, schweigsamen Kampfe entrang sich wildes Geheul der Brust der Tataren. Sie waren zerschmettert von der größeren Zahl, der besseren Waffe, der höheren Geschicklichkeit. Sie begriffen, daß es für sie keine Hilfe gab, daß niemand entkommen werde, nicht bloß nicht mit Beute, sondern kaum mit dem Leben. Die Soldaten, die immer mehr in Hitze gerieten, schlugen immer kräftiger drein. Manche von den Räubern sprangen von den Satteldecken herab und versuchten unter den Füßen der Rosse zu entwischen. Diese kamen unter die Hufe; bisweilen auch wandte sich ein Krieger um und versetzte dem Flüchtling von oben einen Stich. Manche warfen sich auf den Boden, weil sie hofften, wenn die Fahnen mehr in die Mitte vorrücken würden, außerhalb des Kreises zu bleiben und sich dort durch die Flucht zu retten.

Der Haufe wurde immer kleiner, denn mit jeder Minute nahmen Menschen und Pferde ab. Asba-Bey drängte, so gut er konnte, die Leute in einen Keil zusammen und stürzte sich mit ganzer Wucht auf Motowidlos Mannschaften, den Ring um jeden Preis zu durchbrechen.

Aber sie warfen ihn auf der Stelle zurück, und nun begann ein fürchterliches Blutbad. Jetzt zerriß Mellechowitsch, wütend wie ein Feuerbrand, den Haufen, überließ die eine Hälfte den beiden Fahnen der Genossen und setzte sich selbst denen in den Nacken, die mit Motowidlo kämpften.

Ein Teil der Räuber war zwar bei dieser Bewegung ins freie Feld entwichen und zerstreute sich über die Ebene wie ein Haufen Blätter, aber die Soldaten der hinteren Reihen, die wegen des zu engen Raumes an der Schlacht nicht teilnehmen konnten, setzten ihnen sofort nach, zu zweien, zu dreien oder auch einzeln. Die aber, denen es nicht gelungen war, zu entkommen, fielen unter dem Schwert, trotz der wütenden Gegenwehr, und streckten sich auf den Boden wie ein Haufe Getreide, welchen die Mäher von zwei Seiten niederzumähen beginnen.

Bärbchen rückte mit Motowidlos Leuten zugleich vor und ließ ihr zartes Stimmchen in Ausrufen ertönen, um sich Mut zu machen, denn im ersten Augenblick war es ihr dunkel vor den Augen geworden, sowohl von dem schnellen Ritt wie von der großen Erregung. Selbst als sie den Feind schon erreicht hatten, sah sie anfangs nur eine dunkle, hin und her wogende Masse vor sich. Es ergriff sie eine unüberwindliche Lust, die Augen ganz zu schließen. Sie widerstand dieser Lust, schwenkte aber den Säbel aufs Geratewohl hin und her. Doch das währte nicht lange; ihr Mut gewann endlich die Oberhand über die Verwirrung, und sie sah alles deutlich. Erst erblickte sie die Pferdeköpfe, über ihnen die glühenden, wilden Gesichter; eines von ihnen leuchtete ganz in ihrer Nähe auf. Bärbchen hieb wuchtig zu, und das Gesicht verschwand plötzlich, als sei es ein Gespenst gewesen.

Da traf Bärbchens Ohr die ruhige Stimme ihres Gatten: