»Gut!«
Diese Stimme gab ihr ungewöhnlichen Mut; noch fröhlicher schrie sie auf und teilte Hiebe aus, jetzt mit vollem, klarem Bewußtsein. Da streckt ihr wieder ein entsetzlicher Kopf mit flacher Nase und hervorstehenden Backenknochen die Zähne entgegen: Bärbchen fährt über ihm hin — weg ist er ... Dort erhebt wieder eine Hand die Wurfkugel — weg ist sie. Sie sieht einen Rumpf und Nacken, im Nu sticht sie hin; sie schlägt nach rechts, nach links, geradezu, und wo sie hinhaut, fliegt ein Mensch zu Boden und reißt sein Pferd am Zaume mit sich. Bärbchen erstaunt darüber, daß das so leicht ist. Aber leicht war es nur, weil von einer Seite der kleine Ritter Steigbügel an Steigbügel mit ihr ritt, auf der anderen Herr Motowidlo. Der erste beobachtet sorgfältig seinen Schatz, und bald löscht er ein Menschenleben wie ein Licht aus, bald haut er mit flacher Klinge den Arm samt der Waffe ab, bald schiebt er sein Schwert zwischen Bärbchen und den Feind, und die feindliche Kugel fliegt plötzlich in die Höhe, als wäre sie ein beflügelter Vogel.
Motowidlo, der phlegmatische Krieger, hütete die andere Seite der tapferen Herrin, und wie ein fleißiger Gärtner unter den Bäumen dahinschreitet und da und dort einen trockenen Ast abschneidet oder umbricht, so warf er ein um das anderemal einen Menschen auf die blutgetränkte Erde und kämpfte mit einem solchen Phlegma und solcher Ruhe, als ob er an etwas anderes denke. Beide wußten wohl, wann sie Bärbchen selbst angreifen lassen konnten, und wann sie ihr zuvorkommen oder sie vertreten mußten. Auch ein dritter wachte über sie von ferne, der unvergleichliche Bogenschütze, der sich absichtlich in ihrer Nähe hielt, jede Minute den Pfeil auf die Sehne legte und den unfehlbaren Todbringer in das größte Getümmel hinübersandte.
Aber dieses Getümmel wurde so furchtbar, daß Herr Michael Bärbchen anbefahl, sich mit einigen Leuten aus dem Gewirr zurückzuziehen, besonders als die halbwilden Pferde der Tataren anfingen, um sich zu beißen und auszuschlagen. Bärbchen gehorchte ihm unverzüglich, denn obgleich sie der Eifer erfaßt hatte, und das mutige Herz sie zu weiterem Kampfe trieb, so gewann doch ihre Frauennatur die Oberhand über die Begeisterung, und sie entsetzte sich in diesem Gemetzel beim Anblick des Blutes mitten unter dem Geheul, dem Gestöhn und Geröchel der Sterbenden, in dieser Luft, die von dem Geruch von Blut und Schweiß geschwängert war.
Sie zog also langsam ihr Pferd zurück und befand sich bald außer dem Kreise der Kämpfenden. Wolodyjowski und Motowidlo aber, die jetzt von ihrer Pflicht des Schutzes befreit waren, konnten endlich ihrer Soldatenlaune ganz die Zügel schießen lassen. Inzwischen war Muschalski, der bisher in der Nähe gestanden hatte, zu Bärbchen herangekommen.
»Ihr habt Euch wahrhaft ritterlich gehalten, verehrte Herrin,« sagte er zu ihr, »man sollte meinen, der Erzengel Michael sei vom Himmel unter die Mannschaften herabgestiegen und vertilge die Heiden ... Welche Ehre, von diesem Händchen zu fallen, das mir bei dieser Gelegenheit zu küssen gestattet sei!«
Bei diesen Worten ergriff Muschalski Bärbchens Hand und drückte sie an seine Lippen.
»Habt Ihr es gesehen? Habe ich mich wirklich brav gehalten?« sagte Bärbchen und sog mit weitgeöffneten Nasenflügeln die Luft ein.
»Die Katze kann sich nicht besser gegen die Ratten halten! Das Herz schwoll mir, so wahr ich lebe; aber Ihr tatet recht, Euch aus der Schlacht zurückzuziehen, denn gegen das Ende konnte es leicht ein Unglück geben.«
»Mein Gatte hat es mir befohlen, und ich habe bei der Abreise versprochen, ihm sofort zu gehorchen.«