In Chreptiow trafen Herr Michael und seine Frau über alles Erwarten Gäste. Herr Bogusch war angekommen; er hatte beschlossen, auf einige Monate hier seine Residenz aufzuschlagen, um durch Mellechowitsch mit den tatarischen Rottenführern, die in den Dienst des Sultans übergetreten waren, Verhandlungen zu führen. Herrn Bogusch hatte sich der alte Herr Nowowiejski und seine Tochter Eva, endlich auch Frau Boska angeschlossen, eine würdige Dame, ebenfalls mit einem noch sehr jungen und sehr hübschen Töchterlein Sophie. Der Anblick der Frauen in dem öden und wilden Chreptiow erfreute und verwunderte zugleich die Soldaten; auch jene waren verwundert bei dem Anblick des Herrn Kommandanten und der Frau Kommandantin. Den ersteren hatten sie sich, aus seinem weitverbreiteten und gefürchteten Ruhme schließend, als einen Riesen vorgestellt, die zweite als eine Riesin mit immer gerunzelter Stirn und männlicher Stimme. Statt dessen sahen sie vor sich einen kleinen Soldaten mit einem freundlichen, liebenswürdigen Gesicht, und ein ebenfalls kleines, wie ein Püppchen rosiges Weibchen, die in ihren breiten Pumphöschen und mit ihrem Säbelchen einem über die Maßen schönen Knaben ähnlicher sah als einem Erwachsenen. Aber die Wirtsleute empfingen ihre Gäste mit offenen Armen. Bärbchen küßte noch vor der Vorstellung alle drei Frauen herzlich, und dann, als sie ihr mitgeteilt hatten, wer sie seien und woher sie kamen, sagte sie:
»Ich möchte gern den Himmel für euch herabholen, ich freue mich sehr über euer Kommen; ein Glück, daß mir kein Unfall auf dem Wege begegnet ist, denn hier in unserer Wüste kommt das sehr leicht vor, aber gerade heute haben wir die Horde bis auf den letzten Mann niedergemetzelt.«
Da sie aber bemerkte, daß Frau Boska sie mit immer wachsendem Erstaunen ansah, schlug sie auf das Säbelchen und fügte hinzu:
»Auch ich bin in der Schlacht gewesen, gewiß, so ist's bei uns. Um Gottes willen, gestattet mir, mich zu entfernen und Kleider anzulegen, die meinem Geschlecht mehr geziemen, und die Hände ein wenig vom Blute zu reinigen, denn wir kehren aus einer furchtbaren Schlacht zurück! Ja, ja, wäre Asba nicht vernichtet, Ihr würdet vielleicht nicht heil nach Chreptiow gelangt sein. Im Augenblick bin ich wieder hier, Michael wird euch inzwischen zu Diensten sein!«
Bei diesen Worten verschwand sie durch die Tür, und der kleine Ritter, welcher Herrn Bogusch und Herrn Nowowiejski schon begrüßt hatte, näherte sich jetzt Frau Boska.
»Gott hat mir ein Weib gegeben,« sagte er, »das nicht nur im Hause eine anmutige Genossin, sondern auch im Felde ein tapferer Gefährte zu sein versteht, und jetzt biete ich der gnädigen Frau auf ihren Befehl meine Dienste an.«
Und Frau Boska erwiderte:
»Möge sie Gott in allem segnen, wie er sie mit Schönheit gesegnet hat. Ich bin die Frau des Anton Boski; nicht darum bin ich hergekommen, um Eure Dienste zu verlangen, sondern um Euch auf den Knieen um Hilfe und Rettung in meinem Unglück zu bitten. Sophiechen, kniee auch du vor diesem Ritter nieder, denn wenn er nicht hilft, hilft niemand.«
Frau Boska stürzte sich auch wirklich in die Kniee, und Sophie folgte ihrem Beispiel. Beide riefen tränenüberströmt: